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Freitag, der 11. Mai 2001, 14:00 Uhr. Die Reisetasche ist
gepackt, ich sitze zu Hause in Gernsheim auf glühenden Kohlen. Um 16:00
Uhr ist Abfahrt am Reinheimer Bahnhof, ich möchte gerne eine halbe
Stunde vorher da sein und soll auf dem Weg dorthin noch Inga in Zeilhard
abholen und ein paar Blumen bei Schradins in Georgenhausen vorbei
bringen. Ich warte auf einen Anruf von Gerrit, ob wir den Bus vom CVJM
Eberstadt bekommen oder nicht. Dann klingelt endlich das Telefon. Ja,
wir bekommen den Bus. Die Leute, die dafür zuständig sind, sind zwar
in Urlaub, aber Gustav Fetzer kann mir den Bus auch übergeben.
14:15 Uhr. Ich mache mich auf den Weg nach Eberstadt und hole
dort den Bus ab. Bei dem Versuch, den kürzesten Weg aus Eberstadt
heraus zu finden, verfahre ich mich etwas. Also doch über die
Umgehungsstraße.
15:20 Uhr. Endlich bei Inga. Fünf Minuten zu spät. In zehn
Minuten wollte ich eigentlich in Reinheim sein. Und ich muss noch die
Blumen bei Schradins vorbeibringen. Es wird wohl nichts mit 15:30 Uhr in
Reinheim.
15:45 Uhr. Inga und ich kommen in Reinheim am Bahnhof an. Gerrits
Berlingo steht schon da, auf dem Hänger vier Kanus. Auch die Teilnehmer
Mario, Moritz, René und Tobias sind mit ihren Eltern anwesend. Wir sind
wohl die letzten. Nachdem wir ursprünglich mit zwei Stunden Fahrtzeit
gerechnet und diese Zeit nach Gerrits Vorfahrt vor zwei Wochen auf
zweieinhalb Stunden geändert haben, machen wir uns jetzt zehn Minuten
vor der geplanten Abfahrt auf den Weg.
16:30 Uhr. Wir tuckern im Feierabendverkehr durch Aschaffenburg.
Ob wir die zweieinhalb Stunden Fahrtzeit halten können?
17:30 Uhr. Pinkelpause auf einem Rastplatz irgendwo im Spessart.
Es stinkt und der linke Reifen des Kanuhängers qualmt. Er ist ganz
heiß. Der rechte ist auch heiß, qualmt aber nicht. Hängen die
Bremsen? Was sollen wir tun? Nachdem die Reifen etwas abgekühlt sind,
beschließen wir, die nächste Tankstelle anzufahren und dort um Rat zu
fragen.
17:50 Uhr. Die nächste Tankstelle. Man teilt uns
freundlicherweise mit, dass wir freitags um sechs keine Werkstatt mehr
finden werden, die uns weiterhilft. Da taucht ein älterer Herr vom
örtlichen Taxiservice auf, der sagt, er wisse ganz genau, was das
Problem ist. Er könne das Problem aber nicht beheben, da er dafür
nicht richtig gekleidet sei. Er werde uns aber bei der Fehlersuche und
-beseitigung behilflich sein. Zum Lösen der Bremse muss an den
Bremszügen gerüttelt werden, die jeweils zum rechten, bzw. linken Rad
des Hängers führen. Dann folgt der Test: Hängt die Bremse beim
Betätigen der Handbremse? Ja. Hängt die Bremse beim Auslösen der
Auflaufbremse? Ja. Mist. Das bedeutet, dass wir jedes Mal, nachdem die
Handbremse des Hängers gelöst wird, wieder an den Bremszügen rütteln
müssen, damit die Bremse auch wirklich aufgeht. Na ja, eigentlich nicht
weiter schlimm. Schlimmer ist, dass wir immer dann rütteln müssen,
wenn Gerrit zu stark bremst und die Auflaufbremse ausgelöst wird.
18:30 Uhr. Eigentlich wollten wir jetzt in Bad Kissingen
angekommen sein. Inga ruft an, dass wir erst ein oder anderthalb Stunden
später eintreffen werden.
19:15 Uhr. Nach mehreren Rüttel-Halts treffen wir in Bad
Kissingen ein. Die Karte am Ortseingang verrät leider nicht genau, wie
wir zur Pfadfinderhütte am Ludwigsturm kommen.
19:45 Uhr. Geschafft. Wir sind - nach einem kleinen Umweg - an
unserem Ziel angekommen. Leider ungefähr zwei Stunden später, als
eigentlich geplant. Es wird wohl heute nichts mehr mit Kanu-Fahren.
20:30 Uhr. Nach einer kurzen Führung durchs Haus und dem
Auspacken und Einrichten machen wir uns daran, unser Abendessen
zuzubereiten. Es soll Hawaii-Toast geben. Eine halbe Stunde später ist
das Essen fertig und wir stürzen uns hungrig auf die leckeren Toasts.
22:00 Uhr. Der Küchendienst ist beendet. Wir machen eine kleine
Nachtwanderung, bei der wir auch ein paar Glühwürmchen entdecken.
23:00 Uhr. Gerrit liest als Abendandacht die Geschichte vom
Bambus vor. Danach diskutieren wir darüber, wann wir morgen aufstehen
wollen. Unser Vorschlag 1: Aufstehen um 07:00 Uhr, Frühstück um 07:30
Uhr. Vorteil: Viel Zeit zum Kanu fahren. Vorschlag 2: Aufstehen um 08:00
Uhr, Frühstück um 08:30 Uhr. Vorteil: Länger Schlafen. Gegenvorschlag
der Teilnehmer: Aufstehen um 06:30 Uhr, Frühstück um 07:00 Uhr.
Vorteil: Noch länger Kanu fahren. Na gut.
24:00 Uhr. Alle sind im Bett. Es wird eine kurze Nacht.
Samstag, der 12. Mai 2001, 06:25 Uhr. Ingas Wecker klingelt.
Es ist Zeit, die Jungs zu wecken.
07:00 Uhr. Wir treffen uns alle in der Küche. Schnell werden der
Tisch gedeckt, Brot geschnitten und alle Frühstückszutaten auf den
Tisch gestellt. Noch etwas müde machen wir uns über das Frühstück
her. Anschließend werden noch Brote für unterwegs geschmiert und alle
Sachen für das Kanu-Fahren zusammen gepackt. Für die
Flüssigkeitszufuhr unterwegs benötigen wir noch Wasser. Das soll beim
ersten Ort auf der Kanu-Tour eingekauft werden. Nach dem obligatorischen
Küchendienst besteigen wir die Autos und machen uns auf den Weg.
08:30 Uhr. Wir parken den Berlingo an der geplanten Aussetzstelle
in Bad Kissingen und hängen den Kanuhänger an den Bus. Dann geht es
weiter zum Streckenbeginn.
09:15 Uhr. Ein Parkplatz bei Steinach. Ein guter Platz um Bus und
Hänger zu parken und die Tour zu beginnen. Dummerweise ist die
Fränkische Saale ein gutes Stück vom Parkplatz entfernt. Gerrit
bugsiert den Bus samt Hänger über eine Wiese an den Fluss heran. Dann
können wir unsere vier Boote vom Hänger laden und die letzten fünf
Meter zum Wasser tragen. Die Fränkische Saale ist hier allerdings sehr
bewegt, so dass es mit unseren ersten Fahrübungen erst einmal nichts
wird. Wir werden damit warten müssen, bis wir in ruhigere Gewässer
kommen.
10:00 Uhr. Jeder hat seine Schwimmweste angelegt. Die Kanus
können zu Wasser gelassen werden. Gerrit startet zuerst. Dann folgen
Mario und René. Die dritte Bootsbesatzung bilden Moritz und Tobias.
Inga und ich setzen als letzte unser Kanu ins Wasser. Gut, dass wir so
früh aufgestanden sind. Die ganze Fahrerei hat doch länger gedauert
als geplant.
10:20 Uhr. Wir sammeln uns in ruhigerem Fahrwasser. Es folgen ein
paar Übungen zum Steuern der Kanus und Tests mit dem Rettungssack. Dann
geht es auf die Strecke. Inzwischen ist es ganz schön warm geworden.
Nur das Wasser ist eiskalt.
11:00 Uhr. Das erste Wehr. Wir legen mit genug Sicherheitsabstand
an und erklettern die brennnesselbewachsene Uferböschung um uns das
Wehr anzusehen. Die Besichtigung ergibt, dass das Wehr nicht zu schwer
zu durchfahren ist. Also ab ins Boot und durch das Wehr.
11:30 Uhr. Das zweite Wehr. Wieder mit Sicherheitsabstand anlegen
und besichtigen. Das Wasser rauscht ziemlich. Wir beschließen, dass
Gerrit die Boote durch das Wehr paddelt und dabei alle mitnimmt, die mit
wollen. Es wollen alle mit.
12:00 Uhr. Es ist vollbracht. Die Kanadier liegen alle unterhalb
des Wehrs. Keiner ist unterwegs verloren gegangen. Wir tauschen die
Bootsbesatzungen. Inga steigt zu René ins Boot, Mario kommt zu mir.
Langsam wird es Zeit, einen Wasserverkäufer zu finden. Es ist Samstag
Mittag und die Geschäfte machen bald zu.
13:00 Uhr. Südlich von Bad Bocklet. Ein Ort. Vielleicht ein
Wasserverkäufer. Oder zu spät? Gerrit bricht mit Tobias auf, um die
Gegend zu erkunden. Die anderen binden die Kanus fest und gehen an Land.
Zeit für das Mittagessen. Die Schwimmwesten werden ausgezogen, die
Tonnen geöffnet, die Brote ausgepackt. Zeit zum Erholen. Später kommen
Gerrit und Tobias mit zwei Kästen Wasser wieder. Sie haben noch
jemanden gefunden, der ihnen etwas verkauft. Der saß zwar schon am
Mittagstisch, rückte aber trotzdem noch Wasser heraus. Er will zwar
kein Pfand, dafür aber die Kästen wieder zurück.
14:30 Uhr. Nachdem wir uns alle mit Flüssigkeit versorgt haben,
verstecken wir einen Wasserkasten im Gebüsch. Der andere kommt zu
Gerrit ins Boot. Dann geht es weiter.
17:30 Uhr. Kurz vor Bad Kissingen. Wir haben inzwischen ein Wehr
umtragen, einen Baumstamm überstiegen, der quer über der Saale liegt,
und viele Kilometer zurückgelegt. Jetzt steht das zweite und letzte
Wehr an, das umtragen werden muss.
18:00 Uhr. Geschafft. Eigentlich wollten wir jetzt schon am Ziel
sein. Es steht uns aber noch eine Fahrt durch die Kuranlagen von Bad
Kissingen bevor.
19:00 Uhr. So, noch eine Kurve, dann sind wir an unserem
Aussetzpunkt. Dort kommen die Boote an Land, werden gereinigt und bis
zur 100 Meter entfernten Straße getragen. Gerrit und ich fahren in der
Zwischenzeit mit dem Berlingo zum Start unserer Tour zurück, um den Bus
und den Hänger zu holen. Unterwegs packen wir auch den zweiten
Wasserkasten ein, der im Gebüsch auf uns wartet.
20:00 Uhr. Wir sind alle wieder versammelt. Die Boote sind an der
Straße, der Hänger ist an der Straße. Jetzt müssen wir nur noch die
Boote auf den Hänger laden.
20:45 Uhr. Zurück am Ludwigsturm. Es ist Zeit zum Duschen und
Umziehen. Wir treffen uns in einer dreiviertel Stunde zum Essen machen.
22:00 Uhr. Abendessen. Es gibt leckere Erbsensuppe (bald haben
wir unsere Restbestände aufgebraucht) mit viel zu viel Toastbrot.
Danach wieder spülen und eine kurze Abendandacht.
23:00 Uhr. Eigentlich hatten wir uns noch viele schöne Spiele
überlegt. Aber irgendwie wollen alle einfach nur noch ins Bett.
Sonntag, der 13. Mai 2001, 09:00 Uhr. Aufstehen. Schon. Dann
Frühstück und wieder einmal Spülen.
10:00 Uhr. Zeit zum Packen und zum Putzen des oberen Stockwerks.
Anschließend eine Andacht über eine kleine Schraube, die sich für
überflüssig hält, und sich aus dem Schiffsrumpf herausdrehen will.
11:00 Uhr. Pizza für das Mittagessen belegen und backen.
12:00 Uhr. Mittagessen. Die Pizza ist gut und reichlich. Dann
wieder spülen und die restlichen Räume putzen. Um 13:00 Uhr wollen wir
eigentlich das Haus verlassen und noch ein Stück Boot fahren.
13:45 Uhr. Das Haus ist endlich sauber und abgenommen. Um eine
größere Strecke zu fahren, reicht die Zeit nicht mehr. Außerdem
müssen wir noch die Wasserkästen zurück geben. Wir beschließen an
der Stelle etwas Kanu zu fahren, wo wir gestern Mittagspause gemacht
haben. Dann ist auch der Wasserhändler nicht mehr weit. Um 15:00 Uhr
sollten wir eigentlich die Boote aus dem Wasser holen, damit wir
spätestens um vier wieder nach Hause fahren können.
14:30 Uhr. Südlich von Bad Bocklet. Die Kanadier sind zu Wasser
gelassen. Gerrit hat die Wasserkästen zurück gebracht. Wir üben
einfach ein bisschen Boot fahren. Vorwärts fahren, rückwärts fahren,
Vollbremsung. Den kommunikativen Fahrstil, bei dem der Vordermann falsch
herum sitzt, damit er sich besser mit dem Hintermann unterhalten kann.
Gerrit fährt heute mit René zusammen und Inga alleine. Die nutzt die
Gelegenheit, legt sich zurück und lässt sich treiben.
15:00 Uhr. Jetzt sollten die Boote aus dem Wasser. Das hat sich
jetzt nicht unbedingt gelohnt. Wir beschließen, noch eine halbe Stunde
länger zu bleiben.
16:00 Uhr. Die Kanus sind wieder auf dem Hänger, wir können
nach Hause fahren. Das ging ja jetzt richtig schnell.
18:00 Uhr. Nach ein paar Halts zum Bremse-Rütteln sind wir kurz
vor Aschaffenburg. Zeit, um zu Hause anzurufen, dass wir in einer Stunde
in Reinheim sind.
18:45 Uhr. Reinheim, Bahnhof. Geschafft, sogar etwas vor der
Zeit. Die Eltern trudeln aber kurz nach uns ein. Alle Eltern? Nein. Mit
Marios Mutter hatte ich vereinbart, dass ich Mario in Darmstadt bei der
Oma vorbei bringe. Nach kurzem Erzählen geht es weiter.
19:30 Uhr. Darmstadt. Ich lasse Mario aussteigen. Jetzt muss ich
nur noch den Bus wieder voll tanken und zurück bringen.
20:00 Uhr. Eberstadt. Den Bus am Vereinshaus des CVJM Eberstadt
abstellen und den Schlüssel bei Gustav Fetzer abgeben.
20:30 Uhr. Jetzt bin ich auch zu Hause. Damit ist dieses erste
Jugendwochenende zu Ende. Davon abgesehen, dass nur vier Jugendliche
mitgefahren sind und dass unsere Zeitplanung nicht so ganz hingehauen
hat, war es ein schönes Wochenende. Hoffen wir, dass die nächsten zwei
Jugendwochenenden - Klettern und
Höhlen erforschen - in dieser Hinsicht
besser werden.
Hmm, der Bericht ist jetzt auch etwas länger geworden, als er sollte.
Na ja.
Clemens Tischner
Presse-Bericht des Jugendkanuwochenendes
Videoclip des Jugendkanuwochenendes
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