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Wer sich etwas im Odenwald auskennt, der hat auch schon von der
Einhards-Basilika in Steinbach bei Michelstadt gehört. Vielleicht hat
er sie sogar schon besucht. Einhard, ein Schreiber und Berater Karls
des Großen, erhielt im Jahre 815 - also vor 1188 Jahren! - von einem
Sohn Karls des Großen Gebiete bei Michelstadt und am Main. Er ließ in
Steinbach bei Michelstadt die Basilika bauen, um dort die Gebeine der
Märtyrer und Heiligen Marcellinus und Petrus beizusetzen. Bei dem
Heiligen Petrus handelte es sich nicht um den Apostel Petrus, sondern
um einen Priester, der wohl um 300 gelebt hat. Er wurde als
Teufelsaustreiber bekannt. Beide wurden im Jahr 304 vom römischen
Kaiser Diokletian ermordet und später von der kath. Kirche heilig
gesprochen. Der Sage nach hatte Einhard aber sehr bald den Eindruck,
dass die Gebeine besser an einem anderen Ort verehrt würden. So ließ
er dazu die Basilika im heutigen Seligenstadt bauen. Sie ist die
größte Basilika aus dieser Zeit nördlich der Alpen, in der heute noch
(katholischer) Gottesdienst gefeiert wird. Seit dem Jahre 830 ist ein
Kloster in Seligenstadt durch Urkunden nachgewiesen, in dem Heilige
verehrt wurden.
Das Kloster wurde im Jahre 1803 geschlossen. Die Basilika und auch
der ehemalige Klostergarten sind aber heute noch erhalten und
sehenswert. Außerdem ist Seligenstadt als Ganzes ein kleines schönes
Städtchen am Main, das auch auf Touristen eingestellt ist.
Zu dritt waren wir als CVJM-Erwachsenenkreis in Seligenstadt. Zuvor
hatten wir einen Gottesdienst in Harreshausen besucht, der von Pfarrer
Greifenstein geleitet wurde, bekannt vom "Pfarrer-Kabarett". Pf.
Greifenstein erläuterte den Predigttext vom Auszug des Abram mit einem
Zwiegespräch zwischen Esel und Schaf (als Handpuppen), wobei es vor
allem darum ging, was "Segen" bedeutet: Ein sehr gutes Gefühl z.B.
nach einer Versöhnung.
Seligenstadt erreichten wir kurz vor 12 Uhr und machten zunächst
einen kleinen Stadtbummel, vorbei an der Kaiserpfalz und dem Wehrturm
am Main zum Marktplatz. Wir standen gerade vor dem alten "Einhardshaus"
und besahen uns die ausgestellten Zinnsoldaten - da krachte gerade mal
20 m weiter eine große Blumenampel auf die Straße (zum Glück ohne
weitere Schäden).
Wir gingen am Rathaus vorbei zum Romanischen Steinhaus, in dem -
wenn wir es richtig verstanden haben - Kaiser Barbarossa 1188 einen
Hoftag abhielt.
In einem großen Festzelt am Main, das reihum von einigen Vereinen
bewirtschaftet wird, aßen wir Würstchen und Spießbraten. Da kam auch
schon ein großes Ausflugsschiff von Frankfurt an und spuckte seine
über hundert Gäste aus.
Es war sonnig und sehr heiß, der bis dahin wärmste Tag des Jahres.
Nach einer kurzen Mittagsrast auf einer schattigen Bank gegenüber dem
Fähranleger schaukelte uns dann dieses Schiff eine knappe Stunde
behutsam auf dem Main. Es ging mainabwärts bis vor die
Krotzenburger Schleuse und zurück. Unterwegs sahen wir bei Kahl das
älteste Kernkraftwerk in Deutschland, das seit vielen Jahren still
gelegt ist und zur Zeit als erstes Kernkraftwerk abgebaut wird, und in
Groß-Krotzenburg ein großes Kohlekraftwerk.
Anschließend setzten wir uns in die angenehm kühle und sehr schöne
Basilika. Nach vielen Umbauten im Inneren wurde sie räumlich vor 50
Jahren wieder so gestaltet, wie sie wohl ursprünglich ausgesehen hat:
Ein hohes Mittelschiff und zwei niedrigere Seitenschiffe, alle mit
flachen Holzdecken. Allerdings blieb die barocke Einrichtung
weitgehend erhalten.
Wir lauschten einer dunklen Frauenstimme, leise von einer Orgel
begleitet, durch die herrliche Akustik wunderbar.
Im Klostergarten, gleich am Main-Ufer, aber von einer hohen Mauer
umgeben, interessierten uns vor allem die vielen Küchenkräuter und
Heilpflanzen. Auch gefährliche Giftpflanzen wie Tollkirsche,
Bilsenkraut und Schwalbenwurz waren darunter. Die Dosis macht's eben,
ob ein Stoff giftig oder heilsam ist. Durch ein Sortiment von
Duftpelargonien konnten wir uns hindurch riechen, und viele
verschiedene Obstsorten kann man im Garten kennen lernen.
Duftpelargonien wurden auch zum Kauf angeboten. Wir haben eine
erstanden und auch gleich Stecklinge gemacht. Wer Interesse hat möge
sich melden. Im Klostercafé, das von einem gemeinnützigen Verein
bewirtschaftet wird, aßen wir Kuchen bzw. Schmalzbrot und erhielten
auch Infomaterial. (Wer noch mehr sehen möchte, hat dazu in einem
Museum nebenan Gelegenheit.) Nach einem schönen, erholsamen Sonntag
waren wir dann gegen 18 Uhr wieder in Ueberau.
G.-A. Langenbruch |