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Liebe Leserin, lieber Leser, ein Bekannter sagte, als ich ihn auf
eine bestimmte Sache ansprach: "Was kann ich für mein dummes Geschwätz
von gestern?" Er wollte sich nicht auf das festlegen lassen, was er
vor kurzem gesagt hatte.
Zugestanden, er war ein Schwätzer, der so redete, wie er's
brauchte. Andere wählen ihre Worte mit mehr Bedacht und stehen auch
dazu, nicht nur Tage, sondern auch Jahre und Jahrzehnte später. Aber
Worte sind nun mal vergänglich, weiter nichts als Schallwellen, die
sofort abebben, wenn der Sprecher seinen Mund zumacht.
Manches können wir ja auch nachlesen, was gesagt worden ist,
gedruckt oder auf dem Bildschirm. Wir regen uns drüber auf oder
stimmen dem zu oder verstehen's nicht. Und dann hören oder lesen wir
was Anderes, und schon ist alles wieder vergessen. Das Allerneuste
verdrängt das Neuste. Ein paar Tage später ist alles nur noch kalter
Kaffee.
Manche Reden geraten trotzdem nicht in Vergessenheit, sondern gehen
in die Literatur ein. "Quo usque tandem – wie lange noch…": Den ersten
Satz einer Rede Ciceros mussten wir in der Schule auswendig lernen.
Ich kann ihn heute noch. Notfalls spicke ich in der alten
Schullektüre.
Auch was Jesus gesagt hat, können wir nachlesen, in der Bibel und
anderswo, z.B. auf dem allerneusten Netzplatz des CVJM Reinheim.
Cicero und Jesus sind durch ihre Reden in die Literatur eingegangen
und werden heute noch gelesen und zitiert. Wo ist da der Unterschied?
Dass uns Jesus wichtiger ist als der olle römische Politiker?
Jesus hat für sich in Anspruch genommen, dass er Gottes Wort
verkündigt. Das und nichts Anderes ist in der Bibel aufgeschrieben. Er
hat noch sehr viel mehr geredet, was nicht überliefert ist, etwa
"Judas, gib dem Thaddäus mal 2 Denare, damit er einkaufen kann." In
den Evangelien steht nur das Wichtigste, nämlich wie Jesus Gottes
Willen ausgelegt und verkündigt hat.
Nicht Menschenwort, auch nicht die menschlichen Worte Jesu, sondern
Gottes Wort hat ewigen Bestand. Und dabei hat auch Gott vieles gesagt,
was nur zeitlich begrenzte Bedeutung hat: Im Dezember lasen wir Texte
aus Deuterojesaja. Dort kündigt Gott bzw. der Prophet die Befreiung
der Juden aus der babylonischen Gefangenschaft an. 538 war es so weit.
"Versprochen, gehalten!" Schnee von gestern und heute kalter Kaffee?
Mir ist beim Lesen mal wieder aufgefallen, dass mich diese alten Texte
heute noch ansprechen, auch wenn vieles darin zeitbedingt ist.
Wenn Gott spricht, ist das was Anderes, als wenn wir reden. Unser
"Geschwätz von gestern" entsprach mehr oder weniger der Wahrheit. Es
wäre zu wenig, wenn ich fortfahren würde: "Gottes Wort ist die
absolute Wahrheit." Nein Gottes Wort schafft Wirklichkeit. "Wenn er
spricht, so geschieht's, wenn er befiehlt, entsteht's" (Psalm 33,9),
näher illustriert in der Schöpfungsgeschichte 1. Mose 1. Wenn ich
behaupten würde, der Mond sei grün und viereckig, dann wäre das eine
unverschämte Lüge. Wenn Gott das sagte, dann würde sich der Mond
verbiegen und verfärben, um diesem Befehl Folge zu leisten.
Gottes Wort, wie es Jesus verkündigt hat, gilt auch dann noch, wenn
Himmel und Erde vergehen und es sogar keine Bibeln mehr gibt.
Was hat denn Jesus gesagt? In Kurzfassung: "Gott hat dich lieb" und
steht zu seinem Wort.
Herzlichst
H. Tischner |