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Liebe Leserin, lieber Leser,
das Rumpelstilzchen hatte es mit dem Datenschutz etwas übertrieben:
Noch nicht einmal seinen Namen wollte es verraten und hat ihn dann
unbedachterweise trotzdem preisgegeben: "Ach wie gut, dass niemand
weiß, dass ich Rumpelstilzchen heiß."
Mein Name ist dagegen nicht geheim. Er steht auf meinem
Personalausweis. Dieser gibt an, wer ich bin und dass ich die deutsche
Staatsbürgerschaft mit allen Rechten und Pflichten habe. Ich kann
damit beweisen, dass ich kein gesuchter Verbrecher bin. Der Ausweis
zeigt aber auch, dass der Staat mich kennt. Ich bin irgendwo
registriert. Der Staat meldet sich bei mir und verlangt Steuern.
Mein Name steht auch im Reisepass. Damit nehmen auch andere Länder
von mir Kenntnis. Weil ich in Deutschland registriert bin, kann ich
auch im Ausland die Hilfe meines Heimatlandes in Anspruch nehmen. Es
wird dafür sorgen, dass ich aus Krisen- und Katastrophengebieten
rausgeholt werde.
Bei anderen Ausweisen, auf denen mein Name steht, ist es noch
deutlicher, dass ich damit Rechte in Anspruch nehmen kann. Mit meiner
Bankkarte kann ich Geld abheben und bargeldlos zahlen. Mit ähnlichen
Karten kann ich ärztliche Leistungen in Anspruch nehmen oder Bücher
ausleihen. Ich freue mich, dass ich diese Möglichkeiten habe und mein
Name registriert ist.
Aber auch ohne Ausweis und Karten habe ich einen Namen. Viele
Menschen kennen mich und verbinden bestimmte Vorstellungen mit mir,
wenn sie meinen Namen hören. Ich hoffe, dass sie Gutes über mich
denken.
Lukas erzählt, wie Jesus zweiundsiebzig Jünger auf Missionsreisen
geschickt hat. Sie kommen ganz begeistert zurück und berichten von
ihren Erfolgen: "Sogar die Dämonen gehorchen uns, wenn wir in deinem
Namen auftreten." Eine wichtige Aufgabe dieser Jünger war nicht, böse
Geister zu dressieren oder sich nutzbar zu machen, sondern sie
auszutreiben. Sie durften erleben, wie die Macht des Bösen nicht nur
über sie selbst keine Wirkung hatte, sondern dass sie auch über andere
Menschen ihre Wirkung verlor. Wo Menschen im Namen Jesu handeln, hat
das Böse keine Macht mehr. Wunderbar! Grund zum Jubel und zur Freude.
Jesus Name wirkte wie ein Ausweis, der Möglichkeiten eröffnete, von
denen die Jünger vorher nichts geahnt hatten.
Jesus lenkt überraschenderweise ihren Blick in eine andere
Richtung: "Freut euch, dass eure Namen im Himmel geschrieben sind."
Ihr habt gemerkt, dass das Böse seine Macht über euch verloren hat.
"Ihr könnt treten auf Schlangen und Skorpione und nichts kann euch
schaden." – "Na wunderbar", werden die Jünger gedacht haben, "dann
können wir uns dranmachen, dieses Ungeziefer auszurotten." – "Falsch
gedacht", sagt Jesus. "Ihr guckt in die falsche Richtung. Ihr seid
immer noch fasziniert von den verschiedenen Ausprägungen des Bösen.
Betrachtet nicht die Schlangen und Skorpione, beachtet sie gar nicht,
sondern blättert im himmlischen Buch, in dem eure Namen geschrieben
sind", überzeugt euch, dass eure Daten auf der himmlischen Festplatte
gespeichert sind, würden wir heute sagen. Dort werden wir die Namen
der Dämonen vergeblich suchen. Gott ignoriert sie. Er will nichts von
ihnen wissen. Ihre Daten sind gelöscht oder wurden gar nicht
registriert. "Ich sah den Satan vom Himmel fallen wie ein Blitz." Er
hat im Himmel, im himmlischen Buch, im Gedächtnis Gottes keinen Platz.
Oft sind auch wir immer noch fasziniert vom Bösen. Früher hat man
versucht, die Namen des Teufels und seiner Helfershelfer
herauszufinden und eine eigene Datenbank drüber anzulegen. Andere
katalogisieren die Sünden und bewerten sie nach ihrer Schwere:
"Homosexuelles Verhalten wiegt ungefähr so schwer wie der Verstoß
gegen das Fastengebot" (ist also nicht besonders schlimm), heißt es in
einer mittelalterlichen Verordnung. Viele Menschen heute haben sich
genau über Drogen informiert und wissen, welches dieser Suchtmittel
welche Wirkung hat.
Ich frage mich: Wozu müssen wir das alles wissen? "Lass die Finger
davon" reicht doch vollkommen. Vergewissere dich, dass auch dein Name
im Himmel geschrieben ist und mach dir keine Gedanken über Dinge, von
denen Gott nichts wissen will. Kümmere dich nicht um namenlose
Rumpelstilzchen, sondern um den, dessen "Name nie verklinget".
Ich wurde mal gefragt, ob ich an den Teufel glaube. Meine Antwort:
"Teufel, wer ist das? Ich glaube an Gott, der mich kennt, und an
Jesus, der mich von der Macht des Bösen befreit hat."
Mit freundlichen Grüßen
Heinrich Tischner
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