Wer
Anfang März in Reinheim die Ueberauer Straße in Richtung Reinheimer
Bahnhof fuhr, dem fiel bestimmt die große Plakatwand am Parkplatz
neben dem Bahnhof auf, die die Nacht der offenen Kirche in Ueberau
ankündigte. Einschließlich Programm wurde sie an einem kalten,
verschneiten Nachmittag von Ulla und Gerrit gestaltet. Außerdem hingen
in einigen Geschäften in Reinheim und Ueberau Plakate, an einzelnen
Stellen waren Handzettel ausgelegt und in einigen Zeitungen waren
Artikel als Einladung zu lesen.Trotz dieser Werbung hielt sich der
Besuch in Grenzen.
Diese zweite Nacht der offenen Kirche in Ueberau wurde wieder von
der Evangelischen Kirche und dem CVJM Reinheim gemeinsam gestaltet.
Das zeigte sich schon im Programm, das aus 14 Punkten bestand, von
denen etliche von Martina Schweitzer vom Dekanat Reinheim bestritten
bzw. mitgestaltet wurden, und das ebenso einen Vortrag von Pfarrer
Weinert und ein Konzert des Ueberauer Posaunenchores umfasste.
Schon bei der Gestaltung des Kirchenschiffes war Martina Schweitzer
voll dabei. Die Stühle wurden als Kreis gestellt. Im hinteren Teil der
Kirche standen Tische und Stellwände mit Informationsmaterial sowie
Getränken und Gebäck. Vor dem Altar war ein großes Kreuz aus
Teelichtern gelegt.
Zu jeder vollen Stunde begann ein neuer Programmpunkt. Doch dauerte
nicht jeder Punkt eine volle Stunde, dazwischen sollte Zeit für
Gespräche, zum Nachdenken oder für einen Imbiss sein. So konnte man zu
jeder vollen Stunde dazukommen und am Ende eines Programmpunktes nach
Hause gehen.
Um
18 Uhr begann Martina Schweitzer, mit Kindern Marionetten zu basteln.
Aus Federn, Klopapierrollen, Kronkorken u. ä.
entstanden drollige, hübsch bunte und abwechslungsreiche Figuren. Das
machte Kindern und Eltern Spaß.
Gegen 19 Uhr kündigte dann Dominik Tischner, der durch das Programm
führte, Pfarrer Weinert an mit dem Thema "Religionskritik in der
Bibel". Er zeigte auf, dass der christliche Glaube sich ganz deutlich
von anderen Religionen unterscheidet, weil wir glauben, dass Gott uns
liebt und sucht und deshalb Jesus Christus auf die Erde kam. Ein
Beispiel für eine versteckte, aber eindeutige Kritik an Religionen, in
denen Gestirne als Götter verehrt wurden, finden wir schon auf der
ersten Seite der Bibel, wenn Sonne, Mond und Sterne als von Gott
geschaffene Lichter bezeichnet werden, die dazu dienen, Tag und Nacht
zu scheiden und Zeiten, Tage und Jahre zu bestimmen (1. Mose 1,
14-18).
Um
20 Uhr gab der Posaunenchor ein wunderschönes Konzert, in dem auch die
Flöten, Klarinetten und das Saxophon gekonnte Beiträge spielten und
das der Dirigent Thomas Borger durch überleitende Worte auflockerte.
Wir waren begeistert und auch der Applaus konnte sich hören lassen.
Der folgende, als "Bibliodrama" angekündigte Programmpunkt, dem
Martina Schweitzer den Bibeltext vom Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern
zugrunde legte, verselbständigte sich schnell, weil rege diskutiert
wurde. Darf ein Christ Alkohol trinken (außer als Medizin)? Sündigt
auch ein Christ? Das waren nur zwei von mehreren Fragen, die von
Teilnehmern eingebracht wurden und bei denen auch recht ungewöhnliche
Meinungen zur Besinnung aufriefen. Was steht denn dazu in der Bibel?
Gilt das auch noch für uns oder nur für die damalige Zeit? Ich war
erstaunt über die zahlreichen Diskussionsbeiträge, die ich eigentlich
eher in einem Bibelgesprächskreis erwartet hätte.
Um 22 Uhr wurden dann gemeinsam Lieder von Taizé gesungen. Die
ruhigen, einfachen, aber eingängigen Melodien wurden von Martina und
Ulla einmal vorgesungen und dann gemeinsam mehrfach wiederholt. Die
Texte – falls nicht deutsch – waren auf der Leinwand
übersetzt. Stephanie begleitete klar und ausdauernd auf der Querflöte.
Die anschließende Diameditation wurde von Gerrit gestaltet. Er las
die Schöpfungsgeschichte und lud mit stimmungsvollen Dias dazu ein, in
Ruhe und Entspannung den Aussagen der Bibel über Gottes Größe in
Schöpfung und Natur nachzufühlen. Zum Abschluss verdeutlichte das
Gedicht von Jörg Zink "Die letzten sieben Tage der Schöpfung" die
Verletzlichkeit der Schöpfung und die Verantwortung des Menschen
dafür, der wir nur mit Gottes Hilfe gerecht werden können.
Vom Rest der Nacht kann ich leider nicht berichten, weil ich wegen
Schlafbedürfnisses mein Bett aufsuchte. Außerdem war es recht kalt
geworden, da die Kirchenheizung für solche Veranstaltungen nicht
ausgelegt ist.
Laut
Programm gab es um 24 Uhr ein Mitternachtsmahl. Dazu hatte Elke
Kartoffelsuppe mit Einlage, Kartoffelsalat und Kartoffelbrot
vorbereitet, die sich die acht Standhaften schmecken ließen.
Um 1 Uhr gestaltete dann Alexander Haas einen Kreuzweg in der
Kirche, anschließend folgten ein Bibelquiz und ein Bibeltheater von
Clemens. Zu dieser Zeit durchschritten die Besucherzahlen
erwartungsgemäß das Minimum. Gegen 5 Uhr wurden dann von Gerrit
Märchen erzählt. Gut passend zu den kühlen Temperaturen hatte er
Wintermärchen ausgesucht. Um 6 Uhr wurde der neue Tag mit gemeinsamem
Singen begonnen, von Elke auf der Gitarre begleitet und um 7 Uhr
versammelten sich noch oder auch wieder einige zum gemeinsamen
Frühstück im Gemeindehaus.
Ich
denke, die Besucher waren beeindruckt. Es wäre schön, wenn sich
weitere Gruppen oder Gemeindemitglieder aktiv einbrächten. Die Nacht
der offenen Kirche bietet auch die zwanglose Möglichkeit, Fragen
loszuwerden, die man immer schon einmal stellen wollte, und um
Verantwortlichen (Pfarrer, Kirchenvorstehern,
CVJM-Vorstandsmitgliedern) die Anregungen mitzugeben, die man schon so
lange im Kopf hatte.
Gustav Langenbruch |