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Liebe Leserin, lieber Leser,
drei Tote hat Jesus auferweckt: 1. die gerade gestorbene Tochter
des Jairus, 2. den Jüngling zu Nain auf dem Weg der Beerdigung und 3.
Lazarus, der schon am dritten Tag im Grab lag. Dann wurde Jesus selbst
auferweckt. Im Alten Testament holen Elija und Elischa die Söhne ihrer
Gastgeberinnen ins Leben zurück. Im Neuen Testament erweckt Petrus die
Tabita und Paulus den Eutychus. Auch in späterer Zeit wird immer
wieder von Totenauferweckungen berichtet. Heute gehört das zum
medizinischen Alltag: Jeder Sanitäter beherrscht die
Wiederbelebungsmaßnahmen. Vielen ist es gelungen, klinisch Tote
aufzuerwecken.
Die Geschichte von der Auferweckung des Lazarus (Johannes 11), aus
der der Monatsspruch stammt, führt uns aus der Oberfläche in die
Tiefe: Da wird nicht im Vorbeigehen mal schnell einer befreundeten
Familie geholfen. Sondern da wird auch die Vorgeschichte erzählt:
Jesus weiß, dass Lazarus krank ist und trödelt herum, statt sofort
seinen Freund zu besuchen. Wie er schließlich doch hinkommt, kommt,
ist's zu spät: Vorgestern war die Bestattung. Das einzige, was Jesus
noch tun kann, ist die Schwestern trösten und auf den Friedhof gehen.
Nein, er kann noch mehr tun: Er ruft Lazarus ins Leben zurück und der
Tote kommt aus seiner Grabhöhle wieder lebendig heraus.
Der Evangelist Johannes gestaltet diese Geschichte aus zu einem
Lehrstück über das ewige Leben. Zu diesem Zweck bringt er ausführlich
ein Gespräch mit der Schwester Martha: Sie teilt die jüdische und
christliche Überzeugung, dass die Toten und auch Lazarus am Jüngsten
Tag auferstehen werden. Jesus eröffnet ihr ganz neue Dimensionen: "Ich
bin die Auferstehung und das Leben." Wer an Jesus glaubt, hat das
ewige Leben jetzt schon, nicht erst nach dem Tod oder am jüngsten Tag.
Ob Martha das versteht? Ob sie es glauben kann? Sie antwortet mit
einem formal richtigen Glaubensbekenntnis: "Ja, Herr, ich glaube, dass
du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist."
Damit bricht das Gespräch ab. Martha hat alles gesagt, was zu sagen
ist.
Die Botschaft dieser Geschichte ist also ganz anders, als es auf
den ersten Blick aussieht: Das Happy End, dass Lazarus tatsächlich
aufersteht, ist gar nicht mehr so wichtig. Woran Martha bisher
geglaubt hat, an die Auferstehung am Jüngsten Tag, auch nicht. Auch
nicht die Hoffnung in den Himmel zu kommen oder dass die Seele in
einem neuen Körper wieder geboren wird. Das revolutionär Neue: "Wer an
Jesus glaubt, hat das ewige Leben", und zwar heute schon (Johannes
6,47), der gehört zu einer anderen Welt und lebt jetzt schon aus einer
anderen Welt. Dieses Leben kann durch keine Katastrophe und keinen Tod
vernichtet werden.
Wie machen wir das, an Jesus glauben? Für den Evangelisten war es
wichtig, dass wir die richtige Meinung über Jesus haben: Er ist der
Messias (Christus), der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist.
Damit grenzt sich der Gläubige gegen andere Meinungen ab. Ist das der
Glaube, von dem Jesus redet?
Jakobus kritisiert dieses bloße Fürwahrhalten: "Die Teufel glauben
auch an Gott und zittern vor Angst, wenn sie an ihn denken." (Jakobus
2,9) Was soll uns das helfen, wenn wir die angeblich richtige Meinung
haben und die Wahrheit zu kennen glauben?
Jesus erwartet von uns keine richtigen Lehrmeinungen, sondern dass
wir ihm etwas zutrauen. Er konnte in Nazareth keine Kranken heilen,
weil man ihm nichts zugetraut hat und die Kranken daheim ließ. Den
Lazarus hätte er gar nicht auferwecken brauchen, weil Lazarus als sein
Freund selbstverständlich mit Jesus untrennbar verbunden war und daher
das ewige Leben hatte.
Glauben ist nicht, wenn man sich das Hirn verrenkt und Absurdes für
wahr hält, sondern wenn wir unser Herz öffnen und Jesus darin wohnen
lassen Wie Lazarus und seine Schwestern. Eigentlich ganz einfach.
Mit freundlichen Grüßen
H. Tischner |