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Liebe Leserin, lieber Leser,
aus unsrer Schulzeit wissen wir, wie schwer es ist richtig zu
schreiben. Da haben wir uns alle Mühe gegeben es gut zu machen – und
die Lehrerin hat doch noch Fehler gefunden. Und heute? Heute
beherrsche ich zwar die Rechtschreibregeln und vertippe mich
trotzdem dauernd. Ich kann den Text zehnmal lesen und finde immer
noch was Falsches.
Auch beim Reden machen wir Patzer, unglaublich, wie oft wir uns
versprechen! Normal können wir uns leicht korrigieren und die
meisten Versprecher bleiben unbemerkt. Schlimm wird es aber, wenn
jemand etwas heraushört, was ich gar nicht gemeint habe. Und schon
ist er mir böse.
Es sind ja auch nicht nur die Fehler beim Reden und Schreiben. Im
Straßenverkehr kann eine kleine Unachtsamkeit tödliche Folgen haben.
Wenn die Baufirma geschlampt hat, ärgern wir uns unser ganzes Leben
lang mit dem Haus herum.
Fehler sind schlimm. Wir selbst machen immer wieder neue und
andere Leute gehen uns mit ihren Versehen auf die Nerven. Nicht die
großen Sünden wie Diebstahl oder Mord sind es, die uns das Leben
schwermachen, sondern die vielen kleinen Missgriffe, die wir gar
nicht wollen und merken. Und noch schlimmer: dass wir und die
anderen nicht vollkommen sind und die ganze Welt auch nicht.
Was hat sich Gott nur dabei gedacht, als er uns und diese Welt
erschaffen hat? Hat auch er geschlampert und was verkehrt gemacht?
Ich glaube, dass er viel vernünftiger ist als wir. Er hat die Welt
so stabil erschaffen, dass sie nicht bei jedem Rechtschreibfehler
und jeder Bausünde aus den Fugen gerät. Deshalb muss er nicht wie
ein Schulmeister peinlich Buch führen über unsre Sünden, sondern
kann vergessen und vergeben. Deshalb ermahnt uns auch Jesus, dass
auch wir den anderen verzeihen.
Nicht Gott ist es, der uns Vorwürfe macht. Das sind wir selber.
Ein gewissenhafter Mensch ist bemüht, alles richtig zu machen. Und
könnte sich selbst ohrfeigen, wenn etwas daneben geht. Und leidet an
seiner eigenen Unvollkommenheit. Das ist der Preis, den
Gewissenhaftigkeit von uns fordert.
Wie gehen wir mit unseren eigenen Mängeln um? Ich finde es so
tröstlich, dass ich wissen darf: Jesus ist für meine Sünden
gestorben, auch für mein tägliches Versagen, auch für meine
Rechtschreibfehler. Mein schlechtes Gewissen behält nicht das letzte
Wort. Das letzte Wort spricht Gott.
Mit freundlichen Grüßen
Heinrich Tischner |