









|
Dieser Vers ist der Monatsspruch für Juli. Er steht in der
Bergpredigt, kurz nach den Seligpreisungen. Klingt er nicht
ungewohnt? Wenn es um gute Taten geht, dann denken wir doch eher an
den anderen Satz Jesu: "Lass die Rechte nicht wissen, was die Linke
tut", oder: Wenn ihr eure guten Werke ausposaunt vor den Leuten,
dann ist euer Lohn bei eurem himmlischen Vater dahin. Spricht Jesus
hier im Monatsspruch für eine christliche Werbeindustrie nach dem
Motto "Tue Gutes und rede darüber"?
Wenn ich mir durch den Kopf gehen lasse, was in der Bibel über Jesu
Leben hier auf unserer Erde berichtet wird, so erinnere ich mich an
keinen Herold, sprich Pressesprecher, unter den Jüngern Jesu.
Vielmehr sagt Jesus an mehreren Stellen zu Menschen, denen er
geholfen hat: "Dankt Gott dafür, aber erzählt es nicht weiter."
Manchmal taten sie es trotzdem, aber ohnehin waren die Taten Jesu so
auffallend, dass immer größere Teile des Volkes von ihm hörten und
ihm begegnen wollten. Deshalb wurden ja gerade die Volksführer, die
Mitglieder des Hohen Rats, aufmerksam auf ihn und sahen in ihm einen
gefährlichen Konkurrenten.
So sind für mich die vorausgehenden Verse wichtig. Vers 14: "Ihr
seid das Licht der Welt. Eine Stadt, die auf einem Berge liegt, kann
nicht verborgen sein. Man zündet auch nicht ein Licht an und stellt
es unter den Scheffel, sondern auf den Leuchter; dann leuchtet es
allen, die im Hause sind." Wenn wir Jesus nachfolgen, so wird sich
unser Leben mehr und mehr von dem anderer Menschen unterscheiden.
Das kann gar nicht verborgen bleiben. Das ist für alle sichtbar
(auch ohne Werbung), aber es soll auch nicht versteckt werden. Alle
dürfen es wissen, aber nicht um uns zu loben, sondern um Gott zu
preisen, der uns den Weg zeigt (und allen zeigen möchte) und uns so
verändert (aber alle verändern möchte).
Fritz Rienecker schreibt dazu: "Es ist ein feiner Unterschied,
seinen 'Glauben' und 'seine Erfahrungen mit Gott' zur Schau zu
stellen oder seinen Glauben zu bezeugen. Das Erste ist das Wirken
des frommen Ichs, das andere ist das Wirken Gottes. Nur durch dieses
Letztere wird der Vater im Himmel verherrlicht. … Der Jünger hat nur
die Aufgabe, den Lichtstrahlen des Lichtes freien Lauf zu lassen. …
Die Jünger durchleuchten die Welt mit ihrem Tun." und an anderer
Stelle weist er ganz klar darauf hin, dass sich das Salz auflöst im
Dienst und dass sich das Licht im Leuchten verzehrt. … Auch hier
wird der Opfergedanke des Jüngerdienstes unterstrichen.
G.-A. Langenbruch |