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Wer am Freitagabend, dem 11. April 2008 die Ueberauer Dorfkirche
betrat, hatte ein ungewohntes Bild vor sich: Mitarbeiter des CVJM
Reinheim hatten den Kirchenraum umgestaltet. An der Seitenwand befand
sich eine Bühne, der Altarbereich war mit roten Stoffen festlich
geschmückt worden, im hinteren Kirchenschiff wurden Kaffee, Tee und
Gebäck angeboten, außerdem waren Fotowände aus der CVJM-Arbeit zu sehen.
Spätestens zum Auftritt des Figurentheaters Radieschenfieber wurde die
Ueberauer "Nacht der offenen Kirche" zu einer "Nacht der vollen Kirche"!
Puppenspieler Matthias Jungermann spielte mit Obst, Gemüse und anderen
Alltagsgegenständen Geschichten aus der Bibel nach. So trat die Ananas
in dem Stück vom verlorenen Sohn als Vater auf. Warum? "Nun, die hat so
eine witzige Frisur. Außerdem fühlt sie sich außen rau und struppig an
– so wie Väter auch öfters." Für die Geschichte vom barmherzigen
Samariter entstand ein Wald aus Lauchstangen – in dem ein Räuber sein
Unwesen trieb. Die meisten Darsteller wurden übrigens nach der
Vorführung zum Verzehr freigegeben.
Schon die Kirchenführung von Harald Genrich um 18.00 Uhr war gut
besucht. Viele Kinder und Erwachsene folgten den interessanten
Ausführungen zur Geschichte des mehrfach umgebauten über 700 Jahre alten
Gotteshauses. Anschließend konnte man den Kirchenraum mit seinen
verborgenen Ecken auf eigene Faust erkunden und schließlich den
Kirchturm besteigen und die Glocken bestaunen.
Der evangelische Posaunenchor Ueberau unter Leitung von Thomas Borger
blies mit einigen geistlichen und weltlichen Stücken in voller Besetzung
zum Konzert – und animierte durch seine mitreißenden Rhythmen im
hinteren Teil der Kirche sogar einige junge Leute zum Tanzen!
Zur Taizé-Andacht hatte der CVJM-Teeniekreis den Chorraum der Kirche mit
Kerzen in ein stimmungsvolles Licht getaucht. Durch die einfachen, sich
wiederholenden und teilweise mehrsprachigen Gesänge sowie durch kurze
gelesene Bibeltexte wurden die Besucher in eine Zeit der Stille und der
Meditation hineingenommen.
Der Ueberauer Pfarrer Ingmar Neserke sang Lieder von Reinhard Mey und
Hannes Wader. Außerdem zeigte er Ausschnitte aus seinem aktuellen
Kabarett-Programm und bot eigene Lieder dar.
Etwa vierzig Nachtschwärmer ließen sich das mitternächtliche
Schokoladenfondue schmecken, bevor Märchenerzähler Gerrit Langenbruch
"Kleine Geschichten für Sinndeuter" zum besten gab. Mal witzig, mal
ernst, zeigten sie den Blick auf das Leben, den Glauben, die Kirche.
Unter anderem erzählte er von dem Hauptmann, dessen Motto "was man nicht
sieht, das gibt es nicht" lautete. Bis eines Tages sein Offizier
fragte: "Kameraden, könnt ihr den Verstand unseres Hauptmanns sehen?
Nein?? Nun, denn…!"
Mit zwei Liedern und dem Abendsegen verabschiedeten sich gegen 2:00 Uhr die letzten Besucher.
Gerrit Langenbruch
Glühwürmchenartikel
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