









|
Liebe Leserin, lieber Leser, als moderner Mensch lese ich etwas ganz anderes aus diesem
Monatsspruch heraus, als Jesus gemeint hat: Mein Schatz ist meine
Frau und meine Familie. Und selbstverständlich ist mein Herz bei
ihnen. Wo denn sonst?
Jesus meint aber nicht meine Lieben, sondern materielle Güter im
Sparstrumpf, im Wald vergraben oder bei der Bank angelegt (das gab's
damals auch schon: Matthäus 25,27). Klar, die Armen haben Sorgen,
weil sie nicht wissen, wovon sie leben sollen. Die Reichen haben
aber auch Sorgen und machen ihr Wohlbefinden von der
Kursschwankungen der Börse abhängig. Man kann nicht einfach sein
Geld zu den "Wechslern" tun und sich auf sie verlassen. Sondern man
muss sich ständig darum kümmern, den Dax studieren,
Freistellungsaufträge aufstellen und mit dem Finanzamt klarkommen.
Unser Herz ist nicht nur bei unsern Lieben. Mindestens ein Teil
unsres Gehirns beschäftigt sich ständig mit dem Geld, egal ob wir
jeden Cent einzeln umdrehen müssen oder ob wir uns bei den
Börsennachrichten die Haare raufen.
Neulich haben wir gekramt und ganz andere Schätze ans Licht
gebracht: mehrere geerbte Schachteln voll Foto- und Filmzubehör. Was
macht man damit? Die Technik ist längst veraltet und wer weiß, ob
die Geräte noch funktionieren. Zum Glück fanden wir einen Sammler,
der uns das meiste zu einem guten Preis abgekauft hat. Da habe ich
mir meine Gedanken gemacht: Auch ich habe viele Sachen gekauft, die
ich dann doch nicht benutzte oder die bald wieder kaputt waren. Die
Wirtschaft hat sich über meine Konsumbereitschaft gefreut. Aber ich
habe Geld verplempert und Schränke, Speicher und Keller mit
nutzlosem Plunder vollgestopft. Zum Glück sind wir mehrmals
umgezogen und waren gezwungen, immer wieder zu entrümpeln. Das war
eine heilsame Erfahrung. Diese "Schätze" waren zu nichts nütze,
belastend, ein Albtraum.
Jesus zeigt uns, worauf es ankommt: "Verkauft, was ihr habt, und
gebt Almosen. Macht euch Geldbeutel, die nicht veralten, einen
Schatz, der niemals abnimmt, im Himmel, wo kein Dieb hinkommt, und
den keine Motten fressen. Denn wo euer Schatz ist, da wird auch euer
Herz sein" (Vers 33-34). Wir sollen unser Herz nicht an materielle
Güter hängen, sondern an Gott. Wenn wir uns von unserm Besitz lösen
könnten, würden wir innerlich frei.
Liebe Leserin, lieber Leser, für mich waren diese Worte Jesu
immer sehr wichtig. Aber ich habe es nicht geschafft, mich genau
daran zu halten. Ich habe schließlich Verantwortung gegenüber meiner
Familie. Es wird euch nicht anders gehen. Was machen wir nun mit
diesem Wort Jesu? Es ist zu einfach zu sagen: "Das lässt sich nicht
machen, Thema erledigt." Ich habe mich dieser Forderung gestellt und
dabei die Erfahrung gemacht: Ich kann innerlich frei werden, so dass
ich an meinem Besitz nicht krampfhaft festhalten muss. Ich kann
"Almosen geben", das heißt spenden. Ich kann entrümpeln und mich von
Überflüssigem trennen. Ich muss mich nicht grämen, wenn ich geblitzt
werde und einen Knollen berappen muss oder wenn ich Verluste mache.
Ich habe ja einen Schatz im Himmel, daran hängt mein Herz.
Paul Gerhardt hat das mit wunderschönen Worten so formuliert:
"Wohlauf, mein Herze, sing und spring und habe guten Mut! Dein Gott,
der Ursprung aller Ding, ist selbst und bleibt dein Gut. Er ist dein
Schatz, dein Erb und Teil, dein Glanz und Freudenlicht, dein Schirm
und Schild, dein Hilf und Heil, schafft Rat und lässt dich nicht."
(EG 324,13.14)
Mehr brauche ich nicht.
Mit freundlichen Grüßen
Heinrich Tischner |