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Von Ueberau nach Essen ist es weit. Um 6 Uhr hätte ich losfahren
müssen, um rechtzeitig zum Gottesdienst in die Gruga-Halle zu kommen.
Das ist nichts für mich, und so fuhr ich am Samstag zur Bundeshöhe in
Wuppertal, übernachtete beim CVJM und am Sonntag ging‘s dann weiter
nach Essen.
An der Grugahalle traf ich zuerst auf Reiner Lux, den für uns
bekanntesten Sekretär des CVJM-Westbundes, der zum Begrüßungskomitee
gehörte. Dann löste ich eine Teilnehmerkarte und erhielt ein
Armbändchen als Erkennungszeichen mit dem Motto des Festes, schaute
noch kurz beim Stand der CVJM-Materialstelle vorbei und fand dann
einen Platz weit oben auf der untersten Tribüne.
Auf der Bühne stand ein großes weißes Kreuz und darüber hing das
Motto "Zeichen seiner Liebe". Rechts und links hingen CVJM-Fahnen. Ca.
2000 Bläser saßen in der Innenfläche der Halle und auf einer kleinen
Tribüne (Auswahlchor), knapp 2000 Nichtbläser auf den Tribünen. Die
Bläser probten bis kurz vor Gottesdienstbeginn, dann gab es noch
einige Minuten eine Zeit der Stille (bei der es wirklich sehr still
war!).
Der Gottesdienst begann mit einer Fanfare, dann begrüßte Hartwig
Strunk (aus unserem Kreisverband Starkenburg) als Präses Mitwirkende
und Besucher. Er wirkte auch bei der Liturgie mit. Vom Fürbittengebet
blieben mir besonders in Erinnerung seine Sätze "Danke, dass wir uns
hier ungestört versammeln können. Wir bitten für alle Christen, die
das nicht können, die daran gehindert oder dafür bestraft werden."
Jeder hatte ein Programmheft, in dem auch die Lieder ausgedruckt
waren. Musikalisch berührten mich am meisten das Eingangslied "Die
güld‘ne Sonne…" und der Choral "Lobet den Herren, alle die ihn
ehren…".
Die Predigt hielt unsere Generalsekretärin Hildegard vom Baur über
1. Johannes 4,15-21. Ein Kernsatz lautete: "Gott liebt uns
trotz unserer Vorgeschichte." Njeri Weth - eine christliche Sängerin
mit sehr guter, lauter Stimme - sang zwei Solos. Viele Bläserstücke
waren modern bis zum Rock, was wohl viel Können voraussetzt, aber
nicht mein Stil ist (das liegt vielleicht an meinem Alter). Es gab
aber viel Applaus.
In der Mittagspause ging ich zur Gruga (Eintritt wie immer frei)
und dann schnurstracks zu den Schauhäusern (wunderschöne
Geranien-Ausstellung). Auf dem Rückweg winkten mir Karl-Heinz Jauch
aus dem CVJM Eberstadt und Bernd Reininghaus, der pensionierte
Bundessekretär, der lange Zeit für Hessen zuständig war. Bernd
erzählte von einem Besuch in Fischbachtal!
Die Festveranstaltung am Nachmittag war besser besucht als der
Gottesdienst, möglicherweise durch die Eltern der Jungscharkinder, die
morgens am Jungschargottesdienst teilgenommen hatten, jetzt aber hier
waren und am Ende ihre Kinder mit nach Hause nehmen wollten. Die
Leitung hatte diesmal Claus Hassing, unser Sekretär für
Evangelisation, der inzwischen zum Generalsekretär des CVJM Ostwerkes
berufen wurde.
Die Bläser beherrschten natürlich das Feld und erhielten viel
Applaus. Manchmal dirigierten außer dem Hauptdirigenten noch
zusätzlich zwei weitere (rechts bzw. links). Wie üblich - auch im
Gottesdienst - spielte teils nur eine Chorhälfte, dann wieder die
andere oder der Auswahlchor.
Am ergreifendsten war für mich das Spiel aller Bläser, vor allem
bei den Chorälen. Von den modernen Stücken waren mir einzelne bekannt
(z.B. "New York, New York" von Christoph Reichelt), das auch der
Ueberauer Posaunenchor spielt. Eindrucksvoll war auch, dass die Bläser
einmal geschlossen ihre Instrumente nach oben streckten als Zeichen
dafür, dass ihr Spielen Gott zur Ehre dienen soll. Hassing erzählte
von seinem ersten Posaunenfest: "Das war, als wenn die Hallendecke
abhebt."
Höhepunkte waren die Vorträge von "genesis brass", einem Bläserchor
aus 13 Spielern mit enormem Können, die vor allem zeitgemäße
Kompositionen über Choräle bzw. Kirchenlieder bieten (z.B. "Danke für
diesen guten Morgen…"). Mir sagen aber die alten Fassungen mehr zu,
die modernen sind mir zu "abgehackt".
Roland Werner sprach als neuer Generalsekretär des
CVJM-Gesamtverbandes ein geistliches Wort zum Tagungsmotto. Er
versteht unter den Zeichen der Liebe Gottes nicht nur Musik und Kunst,
sondern auch die Schöpfung, wissenschaftliche Erkenntnisse und
Projekte. Zur Einführung sagte er: Posaunen werden oft in der Bibel
erwähnt (wenn man Schofar, ein Widdderhorn, mit "Posaune" übersetzt,
sogar schon bei Mose.), die Orgel überhaupt nicht. Wenn in der Bibel
Posaunen erwähnt werden, geht es immer um etwas besonders Wichtiges,
z.B. die sieben Posaunen in der Offenbarung. Die 7.Posaune erklang für
Freude, Frieden und Sieg. (Um das zu demonstrieren, ließ er alle
Bläser 6x Dissonanzen spielen, beim siebten Mal aber alle den gleichen
Ton. Das war sehr eindrucksvoll.) Jesus siegte nicht durch Gewalt,
sondern weil er das Leiden auf sich genommen hat. Der Weg der Leiden
ist der Weg des Friedens. Er erinnerte an ein Wort des früheren
Bundespräsidenten Dr. Heinemann auf dem Kirchentag in Essen: "Die
Herren dieser Welt gehen, unser Herr kommt." Unser Leben soll ein
Zeichen der Liebe Gottes sein. Das erkannte auch Graf von Zinsendorf,
als er in Düsseldorf ein berühmtes Bild vom leidenden Jesus sah mit
der Unterschrift "Das tat ich für dich. Was tust du für mich?" Sein
Leben wurde dadurch total verändert.(Er nahm Glaubensflüchtlinge auf,
er gründete 1727 die Herrnhuter Brüdergemeinde, die heute weltweit
bekannt ist durch die von ihr herausgegebenen "Losungen" für jeden
Tag.)
Ergreifend war der Einzug von ca. 500 CVJM-Jungscharlern in die
Gruga-Halle, während die Bläser ein Fanfarenstück spielten. Alt und
Jung zusammen bei diesem Fest und mit dieser Begrüßung. Der gesamte
Chor spielte solange, bis alle Jungscharler in der Nähe ihres
Sitzplatzes waren. Diese Jungschargruppen hatten an einem
Jungschartreffen teilgenommen, weil sie zuvor durch zahlreiche Ideen
und Aktionen über 30.000 € für Kindergärten unserer
Partnerschaftsvereine in Ghana (Westafrika) eingebracht hatten.
Nun wurden Posaunenfest und Jungschartreffen gemeinsam beendet. Die
Kollekte war für die Jungbläserarbeit bestimmt. Es soll damit eine
Dirigentenstelle finanziert werden. Nachdem das offizielle Programm
beendet war und gerade die Ersten aufstehen wollten, kam nochmals
einer der Dirigenten ans Pult und sagte: "Wir haben noch etwas
vergessen. Darauf warten die Bläser, und ich bin überzeugt, dass auch
alle die entsprechenden Noten dabei haben. Zum Schluss spielen wir wie
immer Gloria sei dir gesungen…" (im Satz von Joh. Sebastian Bach, Ev.
Kirchengesangbuch Nr. 535). - Da hebt wirklich die Decke ab, und die
Tränen sind nicht weit! Wunderbar!
Gustav Langenbruch
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