Andachten

Monatsspruch Juli 2017

Ich bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde an Erkenntnis und aller Erfahrung, sodass ihr prüfen könnt, was das Beste sei. (Philipper 1,9+10a)

Liebe Leserin, lieber Leser,

was ist gut? Ich weiß es nicht. Zu oft halten wir etwas für gut, und nach einiger Zeit offenbaren sich verborgene Fehler, es nutzt sich ab, wird missbraucht und ins Gegenteil verkehrt. Vieles ist nur für den Augenblick gut, die einzig richtige Entscheidung, in anderen Fällen aber falsch, sogar böse.

Auch "das Beste" gilt nur für den Augenblick. Zum Beispiel, wenn wir zwischen mehreren Möglichkeiten die richtige Entscheidung treffen müssen. Bei Anschaffungen lohnt es sich, nicht nur auf den Preis zu gucken, sondern objektive Tests zu studieren und zu fragen: "Entspricht das meinen Bedürfnissen - und muss das sein?"

Besonders schwer und weitreichend sind solche Entscheidungen bei der Berufswahl und der Partnerwahl. Dafür gibt es keine Tests, denn was gut für andere ist, muss nicht auch für mich gut sein. Und gerade wenn man jung ist und noch nicht viel "Erkenntnis" und "Erfahrung" hat, woher soll ich wissen, was das "Beste" für mich ist? Können junge Menschen wissen, was sie wollen?

Darum ein paar grundsätzliche Tipps:

1. "Befiehl dem Herrn deine Wege und hoffe auf ihn, er wird's wohl machen." (Psalm 37,5). Vertrau dich Gott an und lass dich von ihm führen. Er hat dich erschaffen und nur er kann wissen, was er mit dir vorhat.

2. Frag nicht lange, was dir Spaß machen könnte, sondern nimm Ratschläge und Herausforderungen an und Chancen wahr, die sich dir bieten. "Der Appetit komm beim Essen" und jede Tätigkeit ist zunächst mal "Arbeit", erfordert Mühe und Durchhaltevermögen. Wenn du dich darauf einlässt, merkst du, dass sie auch Spaß macht.

3. "Wem Gott gibt ein Amt, dem gibt er auch Verstand." Du kannst wachsen mit deiner Aufgabe. Das meiste von dem, was ich in meinem Leben getan habe, habe ich weder gelernt noch studiert. Hab den Mut, dazuzulernen und eigene Erfahrungen zu machen.

4. Wenn du was vom Leben haben willst, musst du dem Leben was geben. Wahres Glück und Erfüllung findest du nicht im Genuss, sondern indem du dich einsetzt. Suche nicht den momentanen "Kick", denn hinter jedem Gipfel geht's wieder bergab, und je höher der Berg ist, desto tiefer das Tal.

5. Das betrifft auch die Liebe: Suche nicht dein eigenes Glück, sondern das des anderen. Lass dich von der Liebe Gottes erfüllen, dann kannst du diese Liebe weitergeben. Und nimmt dich selbst nicht so wichtig.

"Bete darum, dass eure Liebe immer noch reicher werde…" Glaube ist für mich vor allem Lebenspraxis. Dazu gehört auch die religiöse Übung:

In der täglichen Bibellese orientiere ich mich an Jesus und am ursprünglichen Willen Gottes.

Indem ich im Gebet "dem Herrn meine Wege anbefehle", lerne ich darauf achten, wie Gott mich führt. Wenn ich nicht bete, kann ich auch nicht erfahren, dass Gott Gebete erhört, habe also auch keinen Anlass dankbar zu sein. Blind durch die Gegend stolpern tut noch nicht mal ein Rindvieh, das sieht doch, wo es was Gutes zu fressen gibt und freut sich drüber.

Durch Singen von Glaubensliedern übe ich mich in der darin ausgedrückten Haltung. Mir fällt kein frommes Lied ein nach der Melodie "Ach was ist die Welt so schlecht", sondern auch wenn's um allgemeine oder persönliche Not geht, singen wir auch immer von Hoffnung und Rettung. Und viele Lieder helfen uns positiv und nicht negativ zu denken.

Und noch wichtiger: Mit unsern Liedern stimmen wir ein in den Lobgesang aller Wesen, des Kuhfladens wie der Rose, der Kuh wie der Nachtigall, der Gläubigen und aller Engel. Was soll das Bild von den musizierenden Engeln? Gottes Wesen ist Harmonie, wie in der Musik: Einklang, Eintracht, Liebe, Versöhnung, Friede. In Gott vereinigen sich alle scheinbaren Missklänge, alle Widersprüche und Widrigkeiten zu einem wohlklingenden Konzert. Die drei "Kreuze" (#) auf dem Notenblatt brauchen uns nicht zu stören, das ist nicht trauriges "fi(e)s-Moll", sondern fröhliche "A-Dur". Über die Tonart entscheidet nicht nur das Vorzeichen, sondern der Grundton, das "A" und O Jesus Christus.

Mit freundlichen Grüßen

Heinrich Tischner

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