Andachten

Monatsspruch Mai 2018

Es ist aber der Glaube eine feste Zuversicht dessen, was man hofft, und ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht. (Hebräer 11,1)

Liebe Leserin, lieber Leser,

wir dürfen nicht alles glauben und müssen misstrauisch sein! Das wussten schon die sieben Geißlein, als der Wolf behauptete, die Mutter stünde vor der Tür. Es ist aber auch nicht gut, wenn wir keinem mehr glauben und zu misstrauisch sind. Als ich klein war, machte man die "Aprilscherze" am 1. März. Man hatte mich gewarnt, ich solle vorsichtig sein. Da kam in der Schule ein Mitschüler und sagte, ich solle zum Rektor kommen. Ich glaubte ihm nicht, aber die anderen bestätigten, das wäre wirklich so. Wem dürfen wir glauben und wem nicht?

Das mussten sich auch die ersten Christen fragen. Denn bei ihren Gottesdiensten konnte sich jeder zu Wort melden - das geht nur im kleinen Kreis. Aber nicht jeder sagte Sinnvolles, wie heute auch. Darum schreibt Paulus: "Prüfet alles (was gesagt und geschrieben wird) und das Gute behaltet." (1. Thessalonicher 5,21). Das gilt nicht nur für die Religion, sondern auch für das ganze Leben. Besonders heute, wo wir überschwemmt werden mit Informationen, Gerüchten, Verleumdungen, Schutzbehauptungen, frechen Lügen.

"Der Glaube ist ein Nichtzweifeln an dem, was man nicht sieht." Das ist genau das Gegenteil von dem, was ich eben geschrieben habe. Denn bei unserm Glauben geht es um vieles, was man nicht sehen und beweisen kann: Gott zum Beispiel, dessen Wesen es ist, dass er nicht aus Materie besteht. Sehen und beweisen können wir ihn nicht, aber verspüren: Wer nicht an Gott glaubt, wird nicht beten und kann nicht erfahren, dass Gebete erhört werden. Wer nicht glaubt, kann keine Wunder erleben; es geht nicht um "Durchbrechung von Naturgesetzen", sondern um unerwartete Hilfe zu rechten Zeit. Die kommt vielleicht auch ohne Glauben, aber man merkt's dann gar nicht. Wer nicht glaubt, hat keinen Orientierungspunkt und muss sich selbst für das Maß aller Dinge halten.

Zugegeben, es lässt sich nicht beweisen, dass Gott die Welt erschaffen hat. Wir waren nicht dabei und müssen es glauben und es hat dann Folgerungen für unsre Lebensführung. Dass die Welt anders entstanden ist, etwa durch den Urknall, müssen wir genauso glauben. Wer kann denn die komplizierten Berechnungen nachvollziehen und nachprüfen, die zu dieser Überzeugung geführt haben? Es weiß doch jedes Kind, dass man sich verrechnen und falsche Schlüsse ziehen kann.

"Es kann ja jeder glauben, was er will", aber der Glaube wirkt sich doch auf unser Leben aus! Eine Antwort, wie die Welt entstanden ist, kann unsre Neugier befriedigen. Wenn ich aber glaube, dass Gott die Sterne und Berge und die Maus erschaffen hat, dann hat er auch dich und mich erschaffen. Dann bin ich nur ein Mitgeschöpf unter vielen und nicht der Mittelpunkt der Welt.

Wenn er die Welt erschaffen hat, dann hat alles seinen Sinn und ist gut so, auch wenn ich's nicht verstehe. Ob es "Schwarze Löcher" und "dunkle Energie" im Weltall gibt oder nicht - wen juckt's? Aber das Dunkle auf der Erde, in mir und in meinem Leben, das juckt mich und gefällt mir nicht. "So tu doch endlich einer was!" Ich stoße auf taube Ohren. Um Mitternacht ist’s halt dunkel. Ich könnte ja Licht machen. Wir könnten doch die ganze Erde taghell erleuchten. Wäre das gut? "Wo viel Licht ist, ist viel Schatten", daran lässt sich nichts ändern. Gott schuf das Licht und damit den Wechsel von Tag und Nacht "und sah, dass es gut war." Es hat alles seinen Sinn. Und nicht nur auf mein Wohl ist Gott bedacht, sondern auf das der gesamten Schöpfung.

Das Vernünftigste ist doch sich in Gottes Willen fügen und nicht dagegen anzukämpfen. Das ist wie bei der Eisenbahn: Sie hat ihre Gleise und ihren Fahrplan und wir tun gut daran, wenn wir sie gewähren lassen. Ich habe noch nie gehört, dass ein Verbrecher versucht hätte den Lokführer zu zwingen nach Berlin zu fahren statt nach Hamburg. Es ist doch im Interesse aller Fahrgäste, also auch in meinem, dass die Bahn ihren Plan einhält. Und wenn ich nach Berlin will, muss ich in Frankfurt umsteigen. Die Möglichkeit ist vorgesehen, aber nicht, dass ich auf freiem Feld die Notbremse ziehe, aussteige und auf einen Hubschrauber warte. Die Bahn bringt mich zum Ziel, aber nur, wenn ich sie gewähren lasse und nicht meinen Kopf durchsetzen will. So ist es auch mit Gottes Fahrplan.

Mit freundlichen Grüßen

Heinrich Tischner

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