Andachten

Monatsspruch Mai 2017

Verhaltet euch weise gegenüber denen, die draußen sind, und kauft die Zeit aus. Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt, dass ihr wisst, wie ihr einem jeden antworten sollt. (Kolosser 4,5+6)

Liebe Leserin, lieber Leser,

wer Gott ernst nimmt und verantwortungsbewusst lebt, weiß, dass er Rechenschaft ablegen muss über sein Leben. Er kriegt zwar den Kopf nicht runtergemacht, weil so vieles nicht in Ordnung war. Gerade, weil Gott uns liebt, wird ihm unser Leben nicht egal sein. Der Richter wird auch nicht wie ein Schullehrer sein Notizbuch aufschlagen und alle Plus- und Minuspunkte aufzählen und eine Note ausrechnen: "Reli gut, aber Nächstenliebe mangelhaft." Ich denke, er fragt uns einfach: "Erzähl mal, wie war's denn?" - Da wird nach und nach alles ausgepackt, worauf ich stolz war und wofür ich mich schäme. Das Wohlwollen Gottes ist mir gewiss, aber peinliche Fragen werden nicht einfach untern Teppich gekehrt. Wir müssen und dürfen uns verantworten und endlich mal alles loswerden, was uns belastet hat. Und zwar nicht erst am Jüngsten Tag, sondern schon in unserm Leben.

Wir müssen uns auch oft auch vor Menschen rechtfertigen. Und die sind meist nicht wohlwollend. Hier im Monatsspruch geht's aber nicht um Verdächtigungen und Vorwürfe, sondern um unsre Überzeugung und Art zu leben. Paulus und die Christen, an die er schreibt, lebten in einer andersgläubigen Umwelt, die der neuen Religion kritisch, ja feindselig gegenüberstand. So haben wir's ja heute fast wieder. Die Apostel schreiben nichts davon, dass wir uns ein Kreuz um den Hals hängen sollen ("das Kreuz tragen" ist anders gemeint: Anfeindungen in Kauf nehmen). Wir müssen Andersdenkende nicht mit religiösen Symbolen provozieren. Aber wir brauchen unsre Überzeugung auch nicht zu verstecken, sondern sollen danach leben, Mut haben aus der Reihe zu tanzen und dazu stehen, wenn wir darauf angesprochen werden.

Dazu gehört "Weisheit" und Besonnenheit. Besonderen Wert legt der Monatsspruch auf die Art, wie wir "antworten" sollen. "Lieblich", freundlich sollst du reden, nicht aggressiv, wie jene Sektenvertreterin, die mich persönlich für den 2. Golfkrieg 1990 verantwortlich machte. Oder wie es uns namhafte Spitzenpolitiker Tag für Tag vormachen. Aber auch nicht sch… freundlich lächelnd, aber mit bösen Hintergedanken. Erst recht keine salbungsvolle Aneinanderreihung frommer Textbausteine. Seichtes Gewäsch ohne Hack und Geschmack geht überhaupt nicht. Darum soll deine Rede "gewürzt" sein, nicht gepfeffert und angriffslustig, oder indem du zu allem deinen Senf dazugeben musst. Was denn sonst? "Mit Salz gewürzt", sparsam dosierte Worte, die schnell auf den Punkt kommen, so dass die Zuhörer wissen, was du sagen wolltest.

"Liebliche Worte" ja, aber nicht den Leuten nach dem Mund reden. Oder so, wie mir mal mein Nachbar verraten hat: "Ich red' grad so, wie ich's brauch." "Salz" ist auch Bild für eine Tugend, die längst abgeschafft ist: Die Ehrlichkeit: sag, was du denkst, und leb, wie du redest. "Wahrheit hat allezeit rumort, falsche Lehrer haben allezeit Friede und Friede gesagt." (Luther). Du musst aber niemand die Wahrheit (oder was du dafür hältst) um die Ohren schlagen. Das Geheimnis der Weisheit ist, Wahrheit in Liebe zu sagen. Steht nicht in der Bibel, das hat mir meine Mutter beigebracht.

"Kauft die Zeit aus", wir würden sagen: "Nützt die Gelegenheit" euren Glauben ins Gespräch einfließen zu lassen. Dazu wünsche ich dir Weisheit und Geistesgegenwart.

Mit freundlichen Grüßen

Heinrich Tischner

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