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Liebe Leserin, lieber Leser,
viele Menschen leiden unter Schlaflosigkeit, wälzen sich
stundenlang im Bett und finden keine Ruhe. Oder sie schlafen zwar ein,
wachen aber bald wieder auf und liegen lange wach, bis sie wieder für
kurze Zeit einschlafen und sind dann am Morgen wie zerschlagen.
Rezepte gegen Schlaflosigkeit und Schlafstörungen gibt es viele,
vom Schäfchenzählen bis zu Schlaftabletten. Ob die immer gut sind?
Ein paar Ratschläge sind beherzigenswert:
- Lass dir vorm Schlafengehen Zeit zum Abschalten. Wer vorher noch
einen spannenden Krimi guckt, braucht sich nicht zu wundern, wenn er
nicht einschlafen kann.
- Vermeide auch, am späten Abend noch Probleme zu wälzen. Mir
hilft es, dass ich mir den Befehl gebe, nicht mehr zu grübeln und
die Gedanken abzuschalten, wenn mir im Bett alles Mögliche durch den
Kopf geht.
- Gewöhn dir nicht an, im Bett etwas zu tun, wozu man wach sein
muss. Darum gehören Unterhaltungs-Elektronik und Bücher nicht ins
Schlafzimmer.
- Ein voller Bauch ist auch nachts beschäftigt und lässt dich
nicht zur Ruhe kommen.
- Geh erst ins Bett, wenn du müde bist, nicht wenn du meinst,
jetzt wäre es Zeit. Und steh auf, wenn du nicht mehr schlafen
kannst, falls du damit niemand störst.
Gute Ratschläge, aber keine Patentrezepte. Unser Problem ist ja oft
auch, dass wir am nächsten Morgen aufstehen und unsrer Tätigkeit
nachgehen müssen. Da sind geregelte Schlafenszeiten hilfreich. Oft
haben wir aber einen ganz anderen Tagesrhythmus. Ein Frühaufsteher
hält es abends nicht lange aus und sehnt sich nach seinem Bett – ein
Nachtmensch kann lange aufbleiben und kommt dafür morgens nicht aus
den Federn.
Wenn wir den Monatsspruch lesen, können wir den Psalmbeter
beneiden. Er hat scheint's einen gesunden Schlaf. Er legt sich ins
Bett, ist sofort weg und schläft die ganze Nacht über durch. Der
Grund: "Denn du allein, Herr, lässt mich sorglos ruhen". Offenbar
kennt auch er Sorgen und weiß, wie das ist, wenn man im Bett liegt und
grübelt. Vielleicht hat er auch berechtigten Anlass sich Gedanken zu
machen, weil er in einer unsicheren Zeit lebt und weil er nicht weiß,
wovon er am nächsten Tag leben soll. Vielleicht muss er befürchten,
dass er im Schlaf überfallen oder von der Geheimpolizei geholt wird.
Die Verse vorher deuten an, dass der Beter Angst hat (Vers 2), weil es
Leute gibt, die sein Ansehen (seine "Ehre") zerstören wollen (Vers 4).
Trotzdem kann er ruhig schlafen, weil einer da ist, der auf ihn
aufpasst. Er vertraut Gott seine Sorgen an und braucht sich nicht auch
noch im Bett damit beschäftigen.
Das Geheimnis seines guten Schlafs beruht nicht auf Rezepten und
Tricks, sondern sein Geheimnis heißt Gottvertrauen. Und
Loslassenkönnen. Wie bei einem Schichtwechsel übergibt er Gott die
Verantwortung für die Nacht, zieht seine Arbeitsklamotten aus und
begibt sich zur Ruhe.
Eine Hilfe dafür kann das Abendgebet sein. Ich bete Luthers
Abendsegen (Evangelisches Gesangbuch Nr. 852):
»Des Abends, wenn du zu Bett gehst, kannst du dich segnen mit dem
Zeichen des heiligen Kreuzes und sagen:
"Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist! Amen."
Darauf kniend oder stehend das Glaubensbekenntnis und das Vaterunser.
Willst du, so kannst du dies Gebet dazu sprechen:
"Ich danke dir, mein himmlischer Vater,
durch Jesus Christus, deinen lieben Sohn,
dass du mich diesen Tag gnädiglich behütet hast,
und bitte dich,
du wollest mir vergeben alle meine Sünde, wo ich Unrecht getan habe,
und mich diese Nacht auch gnädiglich behüten.
Denn ich befehle mich, meinen Leib und Seele und alles in deine Hände.
Dein heiliger Engel sei mit mir, dass der böse Feind keine Macht an
mir finde."
Alsdann flugs und fröhlich geschlafen.«
Luthers Morgensegen steht im Evangelischen Gesangbuch Nr. 815.
Mit freundlichen Grüßen
Heinrich Tischner
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