Andachten

Grundbegriffe des Glaubens: Gott

"Gott ist das Größte, das Schönste und Beste, Gott ist das Süßte und Allergewisste, aus allen Schätzen der edelste Hort." Paul Gerhardt (Evg. Gesangbuch 449,10)

Liebe Leserin, lieber Leser,

eine überspitzte Auslegung der Zehn Gebote macht gerade die Frömmsten zu verkappten Atheisten: 1b) "Du darfst dir kein Bild von Gott machen", 2) "Du darfst den Namen Gottes nicht missbrauchen". Das bedeutet heutzutage für viele: Du darfst dir Gott nicht vorstellen und du sagst am besten gar nicht mehr "Gott", dann kannst du auch nichts falsch machen. Das zweite hat schon Jesus beherzigt, wenn er z.B. vom "Himmelreich" statt vom "Reich Gottes" sprach. Er sprach ja von Gott, gebrauchte aber ein Ersatzwort. Wenn wir aber nicht mehr von Gott reden und auch nicht über ihn nachdenken, verschwindet er aus unsern Köpfen und Herzen und spielt in unserm Leben keine Rolle mehr.

Wir dürfen, nein wir müssen von Gott reden und über ihn nachdenken. Also, wer oder was ist Gott? Die Bibel gibt uns zwei Antworten und Luther die dritte:

  1. "Gott ist Geist" (Johannes 4,24), Idee, Gedanke, Vorstellung. Heißt das, dass es Gott gar nicht gibt? Es gibt auch keine Gerechtigkeit und keinen Frieden. Die Nachrichten beweisen das täglich. Auch Gerechtigkeit und Frieden sind nur Ideen, Ideale, Wunschvorstellungen. Aber wenn wir aufhören an Frieden und Gerechtigkeit zu glauben, wird die Welt noch schlimmer. Es gab bis vor kurzem auch keine Hochhäuser, bis jemand auf die Idee kam welche zu bauen. Wenn die Städteplaner nicht mehr an den Nutzen von Hochhäusern glauben, wird es bald keine mehr geben. So ist es auch mit Gott. Er ist eine Idee von außerhalb unsrer Wirklichkeit, die in unsrer Welt immer wieder neu Gestalt annehmen will. Wir sehen ja, was der aggressive Atheismus angerichtet hat: Er leugnet nicht nur Gott, sondern lehnt auch die traditionellen Werte ab: Wahrheit? Die Wissenschaft hat festgestellt, dass wir pausenlos lügen. Auf andere Rücksicht nehmen? "Jeder ist sich selbst der Nächste." Ohne Gott gilt nur noch, was man sehen kann. Und was man sieht, ist erbärmlich.
  2. "Gott ist Liebe" (1. Johannes 4,16) - aber nicht so, wie man sich's landläufig vorstellt, dass er immer lieb zu uns ist oder sogar lieb sein muss. Gotte Liebe besteht nicht aus Liebesbeweisen, sowenig wie die Sonne aus Strahlen besteht. Von der Sonne haben wir unsre Lebensenergie, Sonnenanbeter wie Stubenhocker, und sogar, wenn es dunkel ist. "Gottes Liebe ist wie die Sonne", aber sie überschüttet uns nicht, sondern sie wartet darauf, dass wir sie abrufen, unser Herz für sie öffnen, uns von ihr erfüllen lassen - und sie überfließen lassen, dass auch andere etwas davon verspüren. Gottes Liebe besteht auch nicht bloß darin, dass er sich ein einziges Mal herabgelassen hat, "seinen eingeborenen Sohn in die Welt" zu senden. Aber spätestens seit Jesus wissen wir, dass Gott Liebe ist. Deshalb ist die Liebe für mich der höchste und der einzige Wert. Ich bin nichts und die Liebe ist alles.
  3. "Worauf du nun […] dein Herz hängst und verlässest, das ist eigentlich dein Gott", schreibt Luther im Großen Katechismus. Gott ist das, woran ich glaube. Da wird uns klar, was mit den falschen Göttern gemeint ist: nicht Baal oder Mammon, auch nicht Allah oder Buddha, sondern alles, was sich mit Liebe nicht vereinbaren lässt.

Kann man Gott beweisen? Vielleicht dadurch, dass wir Liebe überzeugend leben. Und von Gott reden und uns nicht einschüchtern lassen. Glauben ist nichts für Denkfaule! Darum fallt nicht auf die Tricks des Teufels herein, dass wir das Wort "Gott" nicht benutzen dürfen und uns kein inneres "Bild", keine Vorstellung von ihm machen dürfen. Ohne eine Vorstellung zu haben, was gemeint ist, kann ich nicht glauben, was jemand sagt.

Mit freundlichen Grüßen

Heinrich Tischner

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