Andachten

Monatsspruch August 2016

Habt Salz in euch und haltet Frieden untereinander! (Markus 9,50)

Liebe Leserin, lieber Leser,

ach was wär das so schön, wenn wir untereinander in Frieden leben könnten und wenn es nicht so viele gäbe, die stundenlang reden ohne was zu sagen!

Kolosser 4,5 zeigt, wie das mit dem Salz gemeint ist: "Eure Rede sei allezeit freundlich und mit Salz gewürzt", also nicht fade und langweilig - man kann seinen Gesprächspartner auch damit nerven, dass man stundenlang etwas sagt -, sondern mit wenigen Sätzen auf den Punkt gebracht. Eine Prise Salz genügt. Nicht geschmacklos, aber auch nicht gepfeffert und versalzen. Auch nicht bitter und erst recht nicht zuckersüß mit unlauteren Hintergedanken.

Die Weisen der Vergangenheit haben immer wieder ermahnt, nicht einfach draufloszureden, sondern unsre Zunge in Zaum zu halten: Jesus in Matthäus 12,36 "Ich sage euch aber, dass die Menschen Rechenschaft geben müssen am Tage des Gerichts von jedem nichtsnutzigen Wort, das sie geredet haben." - Epheser 4,29 "Lasst kein faules Geschwätz aus eurem Mund gehen, sondern redet, was gut ist, was erbaut und was notwendig ist, damit es Segen bringe denen, die es hören." Und Nikolaus Heermann betet: "Hilf, dass ich rede stets, womit ich kann bestehen; lass kein unnützlich Wort aus meinem Munde gehen; und wenn in meinem Amt ich reden soll und muss, so gib den Worten Kraft und Nachdruck ohn Verdruss." (Evangelisches Gesangbuch 495,3). Es hat immer zur guten Erziehung gehört, dass man lernte "vor Inbetriebnahme des Mundwerks das Gehirn einzuschalten", nichts Schlechtes über andere zu reden - und natürlich auch nicht zu lügen. Luther erklärt zum 8. Gebot: "Wir sollen Gott fürchten und lieben, dass wir unsern Nächsten nicht belügen, verraten, verleumden oder seinen Ruf verderben, sondern sollen ihn entschuldigen, Gutes von ihm reden und alles zum Besten kehren."

Jesus verknüpft das "Salz der Rede" mit dem Friedensgebot: "Haltet Frieden untereinander!" Klar: Wer Zwietracht sät, kann nicht Frieden halten. Und nun? Dürfen wir uns nicht streiten? Müssen wir um des lieben Friedens willen den Mund halten? Wie schon das Sprichwort sagt: "Reden ist Silber, Schweigen ist Gold." Ja, das ist die allererste Regel: Lege jedes deiner Worte auf die Goldwaage und gib nicht gleich zu allem deinen Senf dazu. Erst zuhören, nachdenken und dann erst eine Prise Salz (nicht schöpflöffelweise Senf). Und wenn du anderer Meinung bist? Kannst du dich trotzdem bemühen, Frieden zu halten. Es ist ein Unterschied, ob du dein Gegenüber ablehnst oder anerkennst. Auch wenn Meinung gegen Meinung und Wille gegen Wille steht: Es geht um Themen und nicht um den Mitmenschen persönlich. Treib den anderen nicht in die Enge, bohr nicht nach und gibt nicht noch eins drauf, wenn du merkst, dass du ihn getroffen hast, sondern greif ihn nicht weiter an und gib ihm die Hand der Versöhnung.

Dazu ist jede Menge Selbstdisziplin nötig. Lerne dich selbst zu beobachten und rudere zurück, wenn du merkst, dass du zu weit gegangen bist. Es kommt nicht darauf an, dich durchzusetzen, sondern gemeinsam den besten Weg zu suchen und die Wahrheit zu finden.

Es galt vor 50 Jahren, zur Zeit meiner Ausbildung, der neunmalkluge Grundsatz, dass man alles ausdiskutieren muss. Ein Professor heizte uns noch ein. Ergebnis: Wir schaukelten einander in stundenlangen Debatten hoch statt uns mit dem Unterrichtsstoff zu beschäftigen. Ich kannte auch junge Ehepaare, die meinten ausdiskutieren zu müssen. Man kann auf diese Weise jede Beziehung vergiften. Ich war in meiner Jugend ja auch ein Hitzkopf. Aber meine Mutter hat mich gebremst und mir den guten Rat gegeben: "Du musst nicht alles sagen, was wahr ist, aber alles, was du sagst, muss wahr sein." Zwar nicht "wissenschaftlich" aber weise.

Ich war einmal in einen Konflikt verstrickt, da schlug mir der blanke Hass entgegen. Verteidigen hätte alles noch schlimmer gemacht. Geholfen hätte ein neutraler Vermittler. Aber "das machen wir unter uns aus." - Später hatte ich Gelegenheit zu vermitteln, ein alberner Streit, der eskalierte: Anderthalb Stunden ein sachliches Gespräch unter Aufsicht. Jeder durfte seine Meinung sagen und damit war der Fall erledigt. Eine Aussprache, die zur Versöhnung führt, ist immer gut. Und Versöhnung ist schöner als der schönste Krach.

Mit freundlichen Grüßen

Heinrich Tischner

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