Andachten

Grundbegriffe des Glaubens: Bibel

Prüft aber alles und das Gute behaltet. (1. Thessalonicher 5,21)

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Bibel ist das grundlegende Buch unsres Glaubens. Es erzählt von Jesus, seinen wegweisenden Worten und Taten und von seinem Opfertod am Kreuz. Jesus selbst hat nichts schriftlich hinterlassen. Wir sind auf das angewiesen, was uns die ersten Christen überliefert und wie sie sein Vermächtnis verstanden und in ihr Leben umgesetzt haben. Jesus war kein "Religionsstifter" in dem Sinn, dass er sagte: "Hoppla, jetzt komm ich. Vergesst alles, was ihr bisher gelernt habt und unterzieht euch einer Gehirnwäsche." Denn Jesus knüpft an Vorhandenes an, an seine jüdische Religion, ihre Lebensregeln und Bräuche. Und an die jüdische Bibel, die als "Altes Testament" Teil unsrer Bibel ist. Die Bibel berichtet also auch über die Vorgeschichte unsres Glauben über einen Zeitraum von mehr als tausend Jahren und lässt ahnen, dass alles noch viel früher angefangen hat, nicht erst bei Mose, nicht erst bei Abraham, nicht erst bei Noah, noch nicht mal bei Adam und Eva und der Erschaffung von Himmel und Erde, sondern mit dem Schöpfer selbst, seinem Willen und seinem Wort.

Das Wort des Schöpfers kommentiert nicht, was geschehen ist. Es überliefert auch nicht Geschichten von damals. Es schafft vollendete Tatsachen. "Gott sprach … und es geschah." (Genesis 1) Ein Befehl genügt und aus dem Nichts wurde die Welt. Er schnackelt aber nicht mit den Fingern und sagt "Abrakadabra" und - hast Du's nicht gesehen, wo vorher gähnende Leere war, steht plötzlich ein mehr oder weniger gut funktionierender Erdball mit Land und Meer, Tier und Mensch, Gut und Böse. Die Bibel lässt keinen Zweifel, dass alles bescheiden angefangen hat. Kein Zauberwort, eher ein Anstoß, ein zündender Funke, ein Programm, das ein Geschehen in Gang setzte.

Und alles läuft auf Jesus hinaus. "Am Anfang war das Wort (des Schöpfers)… Und das Wort ward (menschliches) Fleisch und wohnte unter uns." (Johannes 1)

Jesus ist das Wort Gottes, nicht die Bibel. Gewiss, es gibt die Vorstellung, dass Gott mehreren Schreibern Wort für Wort den Bibeltext diktiert hat, die zehn Gebote gar eigenhändig in Stein gemeißelt, die Offenbarung während einer Vision diktiert, immer wieder mit der Aufforderung: "Schreibe!" Und viele Prophetenworte beginnen mit der Ankündigung: "So spricht der Herr." Die Bibel enthält Gottes Worte, aber sie erhebt nicht den Anspruch, dass jeder Satz von Gott stammt. "Am Anfang schuf Gott… und Gott sprach", das sind Worte des Erzählers. Gottes Wort ist nur "Es werde Licht". Und galt auch nur in diesem Augenblick, denn seitdem gibt es Licht. Zauberwörter wie "bitte" wirken, richtig vorgetragen, oft. Dieses Gotteswort hat seinen Dienst getan und ist erledigt.

Aber heißt es nicht: "alle Schrift, von Gott eingegeben…" (2. Titus 3,16)? Das bezieht sich doch nicht auf alles, was geschrieben ist, von den Worten Jesu bis zum Einkaufszettel. Gemeint ist: Was Gott Menschen ins Herz gelegt hat, dient zur Erbauung und Besserung. Es sind so viele Stimmen in uns, die Gehör fordern, nicht nur Gott. Sogar Jesus musste unterscheiden lernen zwischen der Stimme Gottes und der Teufels (Matthäus 4).

Und umgekehrt: Der Geist Gottes hat nicht zu wirken aufgehört, als Johannes den letzten Satz fertig hatte: "Amen, ja komm, Herr Jesus" (Offenbarung 24,20), sondern er hat weiter gewirkt auch bei der Bibelüberlieferung, beim Übersetzen, bei den verschiedenen Bibelausgaben, bei Auslegung, Verkündigung, Hören, Lesen, Befolgen. Und hoffentlich auch bei euch und bei mir. Und der Teufel funkt eifrig dazwischen, auch in meinem Herzen.

Deshalb ist die Mahnung von Paulus so wichtig: "Prüft aber alles und das Gute behaltet." Woher aber wissen wir, was "das Gute" ist? Dafür haben wir die Bibel. Sie ist der Maßstab für die Prüfung. Aber nicht so, dass wir einfach einen Vers zitieren. Denn "der Buchstabe tötet, aber der Geist macht lebendig." (2. Korinther 3,6) Wir müssen uns den Geist Jesu zu eigen machen und unsern Geist durch ständiges Bibelstudium schulen. Nur so werden wir fähig "die Geister zu unterscheiden".

Mit freundlichen Grüßen

Heinrich Tischner

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