Andachten

Monatsspruch Mai 2016

Flieht die Hurerei! Alle Sünden, die der Mensch tut, bleiben außerhalb des Leibes; wer aber Hurerei treibt, der sündigt am eigenen Leibe. Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch ist und den ihr von Gott habt, und dass ihr nicht euch selbst gehört? Denn ihr seid teuer erkauft; darum preist Gott mit eurem Leibe. (1. Korinther 6,18-20)

Liebe Leserin, lieber Leser,

Paulus ereifert sich im 1. Korintherbrief über Christen, die meinten, sie wären in "christlicher Freiheit" über alle Moral erhaben. Ist das heute anders? Wie kann man seine Freiheit nicht besser unter Beweis stellen, als dass man demonstrativ gegen die Regeln verstößt? Ihr Schlagwort war: "Alles ist mir erlaubt". Und Paulus gibt zu bedenken: "Aber nicht alles dient zum Guten; es soll mich nichts gefangen nehmen." (Vers 12).

In meiner Jugend hieß es: "Ein Christ darf nicht rauchen!" Andere sagten: "Feigling!" Ich sagte "Nein!" und dann hieß es nicht mehr "Feigling", denn ich hatte Mut bewiesen. Als Erwachsener dachte ich, ich müsste mich anpassen und habe doch geraucht. Ein Vierteljahr. Dann sagte eine junge Frau, sie möchte das nicht, und da hörte ich auf. Heute bin ich dankbar für diese und andere "überholten Moralvorstellungen."

Den "freien" Christen in Korinth ging's nicht um Nikotin, sondern um Prostitution. "Was ist denn dabei? Wenn mir's danach ist, gehe ich zu einer Hure." Heute würden wir sagen: "Dann unterstützt du die Menschenhändler, Zuhälter und Verbrechersyndikate. Es ist unwürdig, einen Menschen nur zu benutzen und du betrügst dich selbst und lernst echte Beziehung, Liebe, Freundschaft nie kennen." - Paulus denkt weiter: "Euer Leib ist ein Tempel des Heiligen Geistes." Es gab damals im Tempel und gibt heute in der Kirche gewisse Dinge, die man nicht tat oder tut. Es ist nirgends ausdrücklich verboten, aber es gehört sich nicht in der Kirche zu rauchen. Ein Tempel konnte durch Ungehöriges oder Verbrechen entweiht werden. So sagt Paulus: Wenn es wahr ist, dass Gott in euch wohnt, dann müsst ihr auf euern Einwohner und Hausherrn Rücksicht nehmen und euch so verhalten, wie es ihm gefällt.

Da geht's aber um ganz andere Dinge als "Darf ein Christ…?" Wenn die Liebe Gottes in mir wohnt, dann ist kein Platz für andere Gedanken. Ich lasse mir mein Herz nicht vergiften mit Bitterkeit, Neid, Streitsucht, Überheblichkeit, Unzufriedenheit, Gier. Ich lasse nicht zu, dass der Hass mich auffrisst. Und trotzdem habe auch ich solche Gefühle. Es ist aber doch ein Unterschied, ob man sich gehen lässt oder gegen seine Neigungen ankämpft, auch wenn man manchmal den Kampf verliert.

Unser Kopf, Brust, Unterleib, Organe, Arme, Beine, Hände, Füße sind ein Tempel des Heiligen Geistes. Tempel waren Opfer- und Anbetungsstätten, deren Bau, Unterhaltung und Betrieb viel Geld gekostet hat. Also freie Fahrt für den Körperkult, "tut was für euren Körper, schmückt ihn und verziert ihn wie einen Tempel"? Nein, Paulus hat das anders gemeint: Haltet die Wohnung Gottes in euch sauber, verschmutzt sie nicht mit schlechten Gedanken und Taten, duldet kein Ungeziefer darin.

Und lasst zu, dass Gott sich eures Hirns, eures Munds, eurer Hände und Füße bedient, um in unsrer Welt zu wirken. Das geht nicht einfach so, dass ein Kirchenoberhaupt oder Prediger oder Schreiber befiehlt: "Tut oder lasst das oder jenes", oder dass jemand auf eigene Faust versucht, die Anweisungen der Bibel in die Tat umzusetzen. Sondern wenn es wahr ist, dass Gottes Geist in uns wohnt, dann wird er uns auch dorthin lenken, wohin er uns haben will. Darum hört auf eure innere Stimme – und trainiert eure Fähigkeit sie wahrzunehmen. Und bleibt mit Gott ständig in Kontakt, durch Bibellesen und Gebet, scheut euch nicht Gott Fragen zu stellen. Aber folgt auch nicht blind jedem Impuls, sondern prüft alles, was euch in den Sinn kommt, was ihr hört oder lest. Glauben und kritisches Denken müssen einander ergänzen. Ich habe damit gute Erfahrungen gemacht.

Herzliche Grüße

euer Heinrich Tischner

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