Andachten

Wer eine Frau ansieht, sie zu begehren, der hat schon mit ihr die Ehe gebrochen in seinem Herzen. (Matthäus 5,28)

Liebe Leserin, lieber Leser,

auch dieses Mal möchte ich Jesus selbst zu Wort kommen lassen.

Normalerweise im Leben gilt das 11. Gebot "Du sollst dich nicht erwischen lassen." Wenn du bestraft wirst, nicht deshalb, weil du Böses getan hast, sondern weil du nicht clever genug warst. Das ist die Moral der Schlitzohren. Ein anständiger Mensch hält sich an die Regeln: Das macht man nicht, die Alten schlecht behandeln, einen Mord begehen, einen verheirateten Menschen verführen, klauen, fremdes Gut an sich reißen, Personal abwerben. Schon Mose hat auch das Begehren verboten. Das kann man zwar nicht bestrafen, aber selbst in unserm Strafgesetzbuch steht bei manchen Bestimmungen: "Auch der Versuch ist strafbar." Von wegen "nicht erwischen lassen"!

Jesus führt das an zwei Beispielen aus: Der Mord beginnt schon mit dem bösen Wort und der Ehebruch mit dem lüsternen Blick.

Die herkömmliche Moral ist noch viel strenger, nicht nur bei den Muslimen, bei uns war's früher doch genauso. Da war Sex vor und außerhalb der Ehe grundsätzlich verboten. Man durfte nicht nur "seines Nächsten Weib" nicht begehren, sondern auch seine Tochter. Was hat mein Onkel für ein Theater gemacht, wenn sich jemand für seine Tochter interessierte! Was hat eine andere Verwandte für Hebel in Bewegung gesetzt um zu vertuschen, dass die Tochter ein uneheliches Kind erwartete!

Wozu das alles? Es sollte verhindert werden, dass Kinder geboren wurden, die die Mutter als Nur-Hausfrau nicht ernähren konnte. Aber heute gibt es doch die Pille (wir brauchen aber Nachwuchs) und die Mutter kann ja selber Geld verdienen (meist viel zu wenig).

Was heute zweifellos besser ist: Die jungen Menschen sind nicht mehr an starre Vorschriften gebunden, sondern an allgemeinere Regeln, z.B. dass sie Verantwortung füreinander haben, wenn sie eine Beziehung eingehen, oder dass man Menschen nicht benutzen darf wie Dinge - und natürlich auch nicht missbrauchen. Unmoral hat es immer gegeben, trotz strenger Vorschriften. Vorbild sind nicht die Haltlosen, sondern diejenigen, die ihre Verantwortung ernst nehmen.

Es gibt aber ein paar Punkte, die sollten wir trotzdem bedenken. Es ist nicht alles "erlaubt, was gefällt" und niemand schadet. Manches ist auch heute tabu. In allen Kulturen und wahrscheinlich schon sehr lange ist Geschlechtsverkehr zwischen nahen Verwandten verboten. Kinder haben ihren Eltern zu gehorchen. Wenn die Schwester nun auf einmal Stiefmutter würde, da wüsste doch keiner mehr, woran er ist: Muss ich der Stiefmutter gehorchen? Ja! Und der Schwester? Nein! "Sex am Arbeitsplatz" ist unerwünscht und stört die Arbeitsabläufe, aber auch das Verhältnis der Belegschaft untereinander.

Das ist für den CVJM kein Thema. Aber wie ist es bei den Freizeiten? Auch da stehen die Aufgaben der Mitarbeiter im Vordergrund und nicht die privaten Beziehungen. Die Teilnehmer sind unsrer Fürsorge und Verantwortung anvertraut. Da dürfen wir uns nicht an ihnen vergreifen. Und müssen standhaft sein, wenn die jungen Menschen unsre Nähe suchen.

Sex ist eben nicht alles, sondern nur ein kleiner Teil des Lebens. In anderen Lebensbereichen müssen wir uns beherrschen können. So ist es ja auch mit anderen Gefühlen. Wir schaden uns doch selbst, wenn wir unsrer Wut freien Lauf lassen, das ist Energieverschwendung. Hass frisst sich in uns fest und frisst uns selbst auf, den brauchen wir gar nicht erst aufkommen zu lassen. Gier jeder Art macht uns kaputt. Und andere Menschen noch mehr.

Herr Jesus, komm vom Himmel auf die Erde zurück, in unser Leben, in unsre Welt, und fang mit uns neu an das Reich Gottes Wirklichkeit werden zu lassen. Herrsche du über unser Leben, damit wir uns beherrschen können.

Mit freundlichen Grüßen

Heinrich Tischner

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