Andachten

Monatsspruch Dezember 2016

Ich harre des Herrn, meine Seele harret, und ich hoffe auf sein Wort. Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen; mehr als die Wächter auf den Morgen hoffe Israel auf den Herrn! (Psalm 130,6)

Liebe Leserin, lieber Leser,

kennst du das auch? Ich wache auf: noch Rabennacht. Ich gucke auf die Uhr: halb drei. Rumdrehen und weiterschlafen geht nicht und zum Aufstehen ist's zu früh. Ich liege wach und grüble. Und unversehens sitzt ein kleines Teufelchen an meinem Bett und liest mir eine Böse-Nacht-Geschichte vor: Kapitel 1: Was ich alles falsch gemacht habe. 2: Was die anderen alles falsch machen. 3: Wie schlecht es mir geht und wie gut es die anderen haben. "Na", fragt das Teufelchen, "willst du nicht endlich wütend und neidisch werden? Jetzt mach und ärgere dich! Ich zähle auf drei…" Ich gucke auf die Uhr: Viertel nach drei. 4: Warum tut denn keiner was? 5: Bibelkunde I.: Psalm 42,4 "Wo ist nun dein Gott?" Hiob 2,9 "Hältst du noch fest an deiner Frömmigkeit? Ja, sage Gott ab und stirb!" Ich gucke auf die Uhr: halb vier. "Halt's Maul und hau ab, ich will schlafen." 6: Bibelkunde II. (stand nicht in der Geschichte): Matthäus 4,11: "Da verließ ihn der Teufel."

Ja, wo war nun mein Gott in dieser Nacht? "Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen." Er sagte kein Trostwort und gab keinen Fingerzeig. Er hüllte sich in Schweigen. Aber jetzt weiß ich's: Er stand hinter mir und half mir, nicht wütend und neidisch zu werden und das erlösende Wort zu sprechen: "Halt's Maul und hau ab!"

Nach dem Mittagessen kam doch eine Antwort, nicht von Gott, aber die, auf die ich gewartet hatte. Eigentlich hatte ich mich ja nur geärgert, dass es niemand für nötig fand, auf mein Schreiben zu antworten. Eine ganze Woche lang. Eine Unverschämtheit? Nein, ganz normal. Jetzt stell dich nicht so an! Das kleine Teufelchen kannte meine Schwäche und machte daraus eine Mordstheater in 5 Akten.

Am Sonntag war der 1. Advent, damit begann eine Zeit des Wartens und der Vorbeitung. Nein, kein Warten auf Christkindchen und keine Vorbereitung mit Geschenke kaufen, Plätzchen backen und Hausputz. Der Advent hat angefangen und ich warte - worauf wohl? Auf den Advent, pardon, du kannst vielleicht kein Latein, also auf die "Ankunft" unsres Herrn Jesus. Nicht "alle Jahre wieder", auch nicht am Jüngsten Tag oder an dem von Sankt Nimmerlein. Man hat den Herrn Jesus aus unsrer Welt hinausgeekelt und will von ihm nichts mehr wissen. Das hatten wir schon mal, 1933-45. Aber er kam wieder. Er lässt sich nicht dauerhaft vertreiben. Und er wird wiederkommen. "Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen."

"Amen, ja komm Herr Jesu!" (Offenbarung 22,20). Du bist in mein Herz gekommen, so komm auch in das der Leserinnen und Leser, komm in unser Leben, komm in unsre Welt und vertreibe die kleinen Teufelchen und die großen bitterbösen Geister. "Sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund" (Matthäus 8,8) und die von uns allen und unsrer Welt. "Meine Seele wartet auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen."

Mit freundlichen Grüßen

Heinrich Tischner

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